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Monat: September 2016

Jennifer Rostock // Knust Hamburg // 06.09.2016 + Albumreview: Genau in diesem Ton (VÖ: 09.09.2016)

Endlich gehen für mich die Konzerte nach den Festivals wieder los und es startete direkt mit einem Knaller. Im Rahmen der Veröffentlichung ihres neuen Albums Genau in diesem Ton sind Jennifer Rostock momentan auf ihrer Stressen auf Rädern Clubtour durch ausgewählte Locations in Deutschland unterwegs. Letzten Dienstag startete der Trupp, um Frontfrau Jennifer Weist, ihre Clubtour im Knust in Hamburg. Mit im Gepäck hatten sie eine energiegeladene Show, großartige neue Songs und Schmutzki als Tour-Support.

Knust Hamburg

Klein und schnuckelig, aber mit Charme. Gelegen zwischen dem S-Bahnhof Sternenschanze und dem Millerntorstadion liegt die ehemalige Rinderschlachthalle in die 2003 das Knust gezogen ist. Der Club bietet Platz für 500 Menschen auf zwei Ebenen vor der Bühne. Weiterhin gibt es noch einen kleinen Nebenbereich für Merchandise Stände und falls man mal eine kurze Pause braucht.

Schon beim Anstehen vor dem Club war uns klar, dass wir uns hier an einem besonderen Ort befanden. Menschen aller Altersgruppen, Geschäftsleute, Alternative, Obdachlose. Alle saßen friedlich zusammen, unterhielten sich und ließen den Tag ausklingen. Ein weiteres besonderes Ereignis war der Auftritt der Big-Band Jazzkombinat auf dem Lattenplatz vor dem Club, bis wir dann endlich rein gelassen wurden.

Wer ist Schmutzki? Wir sind Schmutzki!

Schmutzki waren mir zwar irgendwie ein Begriff, aber so richtig zuordnen konnte ich sie auch nicht. Beim Hurricane16 konnten sie leider nicht spielen, da das Infield erst zu spät aufgemacht hat und die Band leider ausfallen musste. Trotzdem lies es sich die Band nicht nehmen einen kleinen Gig auf dem Zeltplatz zu spielen, den wir am Rande mitbekommen haben. Sonst sind Schmutzki mir durch den Song Hey Haters bekannt geworden, der gefühlt jeden Tag bei Delta Radio läuft.
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Aber schon beim ersten Lied war all dies egal und die drei Stuttgarter ließen direkt die Wände wackeln und boten ein schönes halbstündiges Set, auch ohne ihren Song Hey Haters. Dabei wurde das Publikum immer wieder sehr schön miteinbezogen und das wird wohl nicht das letzte Mal gewesen sein, dass ich die 3 Jungs live erleben durfte. Solider deutscher Punk-/Indierock mit teils wahnwitzigen Texten. Solltet ihr euch definitiv mal geben!

Jennifer Rostock

Um halb 10 war es dann endlich soweit. Als Opener gab es direkt den neuen Song Irgendwas ist immer und der kleine Club mit 500 Leuten drehte direkt komplett durch. In einem Moment stand man in den ersten Reihen, bis man plötzlich wieder zurück gespült wurde. So muss bei einem Club-Konzert einer Rockband zugehen!

Jennifer gewohnt sexy und leicht bekleidet lieferte wieder eine erstklassige Show ab. Immer wieder ansteckend, was sie für eine Energie versprüht. Die Frau weiß sich zu bewegen und wie man die Massen animiert. Mit Feuer und Der Kapitän ging es direkt energetisch mit bekannten Songs weiter und man kam gar nicht dazu so richtig durchzuatmen. Die Temperatur in dem kleinen Raum stieg unaufhaltsam an.
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Danach gab es eine kurze Pause in der der neue Song Silikon gegen Sexismus angekündigt wurde. Für die Interpreten ist es immer ein spannender Moment zu beobachten, wie der neue Song beim Publikum ankommt. Jennifer Rostock mussten sich aber keine Sorgen machen, denn der Song wurde von der Menge ausgiebig gefeiert.

Kein Bock aber Gästeliste war wohl das Motto einer Personen, dem das ganze Konzert fast komplett egal war. Es gab sogar eine Stelle wo er fast rausgeflogen wäre. Schade, aber sei es drum. Solche Menschen trifft man leider fast überall.
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Es ging weiter mit einem neuen Song. Zu der Ballade Deiche zündete sich Jennifer eine Zigarette an, setzte sich auf die Bühne und performte den Song mit ihrem ganzen Gefühl. Gänsehautgefahr!

Zwischen den neuen Songs Uns gehört die Nacht und Wir waren hier gab es auch „Klassiker“ wie Kaleidoskop oder Himalaya, die noch einmal merklich besser beim Publikum ankamen. Spätestens bei der nächsten Tour werden die Fans aber auch bei den neuen Liedern textsicher sein.
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Ein Schmerz und eine Kehle. Es bildete sich ein Spalt in der Mitte des Publikums und dann ging es ab. Die Wall of Death/Love wurde mehrmals wiederholt und die schwitzenden Körper klatschten und tanzten aneinander. Dann gab es noch einen weiteren unbekannten Song: I love you, but I’ve chosen Dispo. Ein Song der unscheinbar anfängt und im Refrain im Scream von Jennifer endet. Live eine unglaubliche Wucht!
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Nach 75 Minuten und damit leider viel zu früh wurde der letzte Song des Abends eingeläutet: Es war nicht alles schlecht. Für den männlichen Part kam Beat Schmutz (Frontmann von Schmutzki) noch einmal auf die Bühne und es wurden ein letztes Mal getanzt und abgegangen. Die letzten Töne verklungen und wir wurden total nassgeschwitzt mit einem Nazis raus, Schwanz rein in die Hamburger Nacht entlassen.
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Setlist Jennifer Rostock im Knust, Hamburg am 06.09.2016:

  • Irgendwas ist immer
  • Feuer
  • Der Kapitän
  • Silikon gegen Sexismus
  • K.B.A.G.
  • Wir sind alle nicht von hier
  • Kaleidoskop
  • Deiche
  • Himalaya
  • Uns gehört die Nacht
  • Ein Schmerz und eine Kehle
  • I love you, but I’ve chosen Dispo
  • Wir waren hier
  • Es war nicht alles schlecht

Tour-Termine für Anfang Frühjahr findet ihr auf der Jennifer Rostock Webseite.

Kommentar zum neuen Album: Genau in diesem Ton

Mit Four Music ein neues Label. Mit Jay Maas (Produzent der US-Hardcoreband Defeater) einen neuen Produzenten. Altbekannter und doch teils neuer Sound. Ein Album, das mit polarisierenden Themen wie der Flüchtlingsdebatte und Sexismus aufwartet und wo erwartungsgemäß kein Blatt vor den Mund genommen wird.

Es geht weg von dem Schwermütigen, das auf den beiden Alben zuvor dominiert hat. Es schwankt mehr zwischen Leichtfüßigkeit und geballter Faust und holt musikalisch wie inhaltlich den rebellischen Faktor nach vorne. Es drückt mehr Lebensfreude aus, was uns gerade eben einfach auch ausmacht.

Quelle: N-Tv.de

Neider machen Leute. Einfach in die Fresse! Ironisch und provokativ gegen das Musikbusiness und die Hater, die sich leider nach dem Anti-AFD noch vermehrt haben. Morddrohungen, Hassbriefe an private Adressen und was da noch so gekommen ist, will ich gar nicht wissen.

Silikon gegen Seximus. Ein Song mit einem genialen Riff nach dem Refrain.  Hier zeigt sich die Vielseitigkeit von Jennifer, die gesanglich in unerwartete Höhen vortritt. In dem Song geht es um Sexismus. Egal wie sexy sie sich kleidet, niemand hat das Recht sie anzufassen, denn sie kann mit ihrem Körper machen, was sie will!

Hengstin. Beim ersten Mal hören dachte ich erst, dass dies ein Remix sei, da mich dieser krasse Beat sehr überrascht hat. Ein mutiger Schritt in eine musikalisch ganz andere Richtung.

Deiche. Gänsehaut. Die Ballade des Albums, welche mit dem Instrumental Ebbe & Flut eingeläutet wird und uns musikalisch an den Strand entführt.

Wir sind nicht von hier. Wir teilen uns diese Erde, komm wir teilen uns noch ein Bier. Der Song spricht für sich selbst. Keine weiteren Erklärungen notwendig.

Das Album Genau in diesem Ton ist genauso gemeint. Wer Jennifer Rostock kennt und mag sollte auf jeden Fall einmal reinhören in das Album, welches durchweg abwechlungsreich ist und einige ohrwurmverdächtige Songs aus Lager hat. Ich bin sehr gespannt, ob es Hengstin bei der nächsten Tour in einer der Setlisten schafft und wie der Song ankommt, da er eben nicht typisch nach Jennifer Rostock klingt.

Album-Playlist: Genau in diesem Ton

  1. Uns gehört die Nacht
  2. Irgendwas ist immer
  3. Baukräne
  4. Wir waren hier
  5. Neider machen Leute
  6. Hengstin
  7. Ebbe & Flut
  8. Deiche
  9. Silikon gegen Sexismus
  10. Leuchtturm
  11. Wir sind alle nicht von hier
  12. Jenga
  13. I love you but I ve chosen Dispo

Quelle Titelbild: Facebook.com