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Album-Review: Lang lebe Casper!

am 01.09.2017 über Columbia Records / Sony Music veröffentlicht

Ein verdammtes Jahr länger als geplant, musste man warten, um in den Genuss des neuesten Genie-Streiches des Rappers Casper (Benjamin Griffey) zu kommen. Auf seinem langersehnten Werk Lang Lebe der Tod vereint er ein großes Spektrum an Genres mit seinem bisherigen Sound. Schon die erste Vorab-Single „Lang Lebe Der Tod“ war unfassbar beeindruckend, da so ein Sound einfach noch nicht da war. Der Erwartungsdruck seitens der Fans und Kritiker ist ziemlich hoch und man kann sich nicht vorstellen, was Casper in den vergangen 12 Monaten und länger durchmachen musste. Eines kann ich schon einmal verraten: Das lange Warten hat sich definitiv gelohnt!

Next-Level HipHop

Casper geht mit Lang Lebe der Tod ein paar Schritte weiter, sowohl musikalisch als auch textlich. Produziert wurde das Ganze von Markus Ganter, der auch schon beim vorherigen Erfolgsalbum Hinterland seine Finger im Spiel hatte. Einflüssen aus Industrial, Electro, Post-Punk und diversen weiteren Genres werden zu perfekt ausgeklügelten Melodien verpackt. 40 Minuten lang wird man durch die Songs getragen und trotz der verschiedenen Einflüsse, fügt sich alles zu einem besonderen Konstrukt zusammen, das sich auch durch die Lyrics zieht. Der Grundtenor des Albums ist düster, aggressiv. Casper spricht den Sensationswahn in unserer heutigen Welt an, die Denke isolierter Individuen, sein Leben im Mittelpunkt und vollführt am Ende eine Reise in seine Seele. Aber auch Themen wie Intoleranz, Nazis und der Umgang mit den Medien werden schonungslos angegangen. Alles verpackt in durchdachten Texten, die mal mehr und mal weniger ihr Innerstes offenbaren.

Die ersten vier Songs waren ja bereits bekannt. „Lang lebe der Tod“ ist und bleibt einfach großartig, „Alles ist erleuchtet“ hat einen live schon sehr geschockt, „Keine Angst“ ist noch am ähnlichsten zu seinem Vorgängeralbum Hinterland mit einem perfekt passenden Drangsal in der Hook und „Sirenen“ fetzt mit seiner Untergangsstimmung alles weg. Große Melodie mit gleitendem Flow, sowohl in Caspers Passagen als auch in der Hook von Ahzumjot findet man dann in „Lass sie gehen (feat. Ahzumjot und Portugal. The Man)“. Auf „Morgellon“ nimmt das lyrische Ich dann den Standpunkt eines Verschwörungstheoretikers ein und versucht deren Sichtweise zu verstehen. Wenn man einen Hit auf dem Album sucht, würde ich wohl „Wo die Wilden Maden graben“ empfehlen. Lange Zeit Stadionrock zum Mitgröhlen, mit einem druckvollen Outro.

Ehrlich und direkt, mitten ins Herz

Wo er mit den ersten 7 bzw. 8 Songs auf die Welt blickt, so wird es am Ende noch einmal sehr persönlich. „Deborah“ behandelt das Thema Depression und ihre Symptome. Der Song lässt einen mit flauem Magen und schmerzlichen Erinnerungen an Chester Bennington zurück. Diese Krankheit ist jetzt leider schon wieder etwas aus dem Raster der Öffentlichkeit gefallen, darf aber weiterhin nicht vernachlässigt werden! „Meine Kündigung“ schließt sich daran perfekt an und testet mal eben die Tränendrüse. Ehrlich und direkt, mitten ins Herz! Dann kam „Flackern, flimmern“, der dann doch noch Liebe, Lebensmut und Hoffnung in die düstere Platte bringt. Nach „Kontrolle/Schlaf“ auf XOXO und „Endlich angekommen“ auf Hinterland dachte ich, als letzter Song kann da eigentlich kaum was besseres kommen. Doch was Casper da mit „Flackern, flimmern.“ abliefert, übertrifft die beiden genannten Songs nochmal. Ein unglaubliches Brett, das hoffentlich auch seinen Weg auf die Bühne findet. Gänsehaut garantiert!

Vielleicht sollte ich mir in Zukunft überlegen Punkte zu vergeben, denn Casper hätte mit Lang Lebe der Tod eine 10/10 verdient. Das Album ließ mich im ersten Moment echt sprachlos zurück und es hat kurz gedauert, das Gehörte zu verarbeiten. Jeder Song holt einen ab und trifft wunde Punkte, die zum Nachdenken und drüber reden anregen. Casper skizziert mit Lang Lebe der Tod ein Abbild unserer Zeit und entführt uns mit in die Abgründe seiner selbst. Wie ich anfangs schon sagte: Das lange Warten hat sich definitiv gelohnt!

Falls Du das Album schon gehört hast, gibt es einen Song, der Dir besonders gut gefällt? Schreibe gerne einen Kommentar!

Anspieltipps: „Flackern, flimmern.“, „Meine Kündigung“, „Wo die wilden Maden graben“, „Lass sie gehen (feat. Ahzumjot und Portugal. The Man)“

Tracklist: Casper – Lang lebe Der Tod (VÖ: 01.09.2017)

  1. Lang lebe der Tod (feat. Blixa Bargeld, Dagobert, Sizarr)
  2. Alles ist erleuchtet
  3. Keine Angst (feat. Drangsal)
  4. Sirenen – Prolog
  5. Sirenen
  6. Lass sie gehen (feat. Ahzumjot & Portugal. The Man)
  7. Morgellon
  8. Wo die wilden Maden graben
  9. Deborah
  10. Meine Kündigung
  11. Flackern, flimmern.

„Lang Lebe Der Tod“-Tour

Casper wird mit dem Album auch auf große Lang Lebe Der Tod Tour gehen, die zwischenzeitlich im Frühjahr 2017 stattfinden sollte und dann in den Herbst/Winter 2017 verschoben wurde. Begleiten wird ihn dabei Fatoni.

  • 31.10.2017 – Münster, Halle Münsterland
  • 02.11.2017 – Luxemburg, Rockhal (LU)
  • 03.11.2017 – Zürich, Samsung Hall (CH)
  • 04.11.2017 – Stuttgart, Hanns-Martin-Schleyer-Halle
  • 08.11.2017 – Hamburg, Sporthalle
  • 10.11.2017 – Dortmund, Westfalenhalle 1
  • 14.11.2017 – Wien, Stadthalle
  • 17.11.2017 – München, Zenith
  • 18.11.2017 – Frankfurt am Main, Festhalle
  • 21.11.2017 – Leipzig, Arena
  • 22.11.2017 – Bremen, ÖVB Arena
  • 24.11.2017 – Berlin, Max-Schmeling-Halle
  • 25.11.2017 – Hannover, Swiss Life Hall (bereits ausverkauft)
  • 09.03.2018 – Würzburg, S. Oliver Arena
  • 10.03.2018 – Erfurt, Messehalle

Casper: Webseite | Facebook | Twitter | Instagram

Titelbild: Christian Alsen

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Veröffentlicht inAlben ReviewsMusik

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