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Album Review: Kaleida – Tear the Roots

am 15.09.2017 über Lex Records veröffentlicht

Albumcover: Kaleida – Tear the Roots

Mit ihrem beeindruckenden Cover zu „99 Luftballons“ von Nena, für den Film Atomic Blonde, hat mich das Deutsch-britische-Elektro-Pop-Duo Kaleida, bestehend aus Christina Wood und Cicely Goulder, direkt in ihren Bann gezogen. Nach dem Film habe ich mich durch ihre bisherigen Stücke gehört und mit Freuden festgestellt, dass baldig das Debut-Album Tear the Roots erscheint. Neben genanntem Cover finden sich 10 weitere Songs in englischer Sprache auf dem Album. Ich durfte schon vorab reinhören und bin echt fasziniert vom dem Werk, das in der heutigen Electro-Pop-Welt sehr erfrischend wirkt.

Dunkelheit als Faszination

Kaleida als Elektro-Pop-Duo abzutun, fällt mir schwer. Vielmehr bildet der Sound eine Symbiose aus modernen Klängen und dunklen Mysterien, die in heutigen Zeiten ziemlich außergewöhnlich daherkommt. Zwischenzeitlich kamen sogar leichte Portishead-Vibes auf, da man das Album auch in die Trip-Hop-Schiene stecken könnte. Ihr seht schon, dass es mir schwer fällt den Klang der Band zu kategorisieren. Das Zusammenspiel aus der Stimme von Wood mit der oft minimalen Produktion von Goulder ist aber auch echt faszinierend und nur schwer zu greifen. Zudem machen die beiden alles selbst: Vom Schreiben bis zur Produktion kommt alles aus der eigenen Feder.

Den Einstieg in das Album mit dem Song „Convolution“ muss man erst einmal verdauen. Es fühlt sich an, als würde man einer heiligen Messe oder einem düsteren Ritual beiwohnen. Gespenstisch und unheimlich. Eine höchst interessante Komposition, die einen wie ein Sog ins Album zieht. Dieses Mantra-artige zieht sich weiter durch das Album und kommt in „All The Pretty Pieces“ und „Coco“ wieder zum Vorscheinen.

„The model where men control everything, and there’s a woman singing on top of music that men have produced, for men’s gratification, is breaking down.“

Cicely Goulder

Vom Album sind „Think“ und „Meter“ die Songs, die man noch am ehesten in die heutige Popwelt überführen könnte. Beide warten mit einem tollen Pop-Beat auf, passen mit ihrer Schwere und Langsamkeit aber dennoch in den Kontext des Albums. Lyrisch ist das Ganze immer mehrdeutig und oft undurchsichtig. Umweltgedanken und politische Themen finden sich genauso wieder wie Einsamkeit und Liebe.

Gegen Ende kommt dann besagtes Cover zu „99 Luftballons“, was mich schon im Kinosessel erstaunen ließ. Der Europop des Song wurde komplett entfernt, um mithilfe einer düsteren Atmosphäre den politischen Akzent bzw. die Anti-Kriegs Thematik hervorzuheben. Sehr berührend und wirklich großes Kino!

Kaleida haben sich ihren eigenen Sound-Kosmos erschaffen, der abstoßend und faszinierend zugleich ist. Trotz eher minimal gehaltener Produktion wiederholt sich das Klangbild nicht und das Album ist in sich einheitlich. Ich bin wirklich begeistert und es ist schon länger her, dass ich mich so schnell in eine Band verliebt habe.

Tracklist: Kaleida – Tear the Roots (15.09.2017)

  1. Convolution
  2. Echo Saw You
  3. All The Pretty Pieces
  4. Division
  5. Free
  6. Think
  7. Coco
  8. Meter
  9. House Of Pulp
  10. 99 Luftballons
  11. Tear The Roots

Kaleida: Webseite | Facebook | Twitter | Instagram

Titelbild: Lisa Rovner

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Veröffentlicht inAlben ReviewsMusik

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