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Kategorie: Musik

Die Musik hat einen großen Platz in meinem Leben. Musik-Reviews, Vorschauen und Konzertberichte werden hier abgelegt.

Lyricvideo: The Naked And Famous | Higher

Die neuseeländische Indie-Elektropop-Band The Naked And Famous hat gestern endlich ihre neue Single Higher präsentiert. Passend dazu gab die Band bekannt, dass das neue Album Simple Forms am 14. Oktober erscheinen wird. Es war schon länger bekannt, dass neue Musik von ihnen auf uns zu kommen würde, aber sie ließen sich mit der Veröffentlichung der Single viel Zeit.

Auf der Facebook-Seite der Band wurden seit 2 1/2 Wochen immer mal wieder kryptische Bilder veröffentlicht, die nun endlich zu dem Ergebnis der neuen Single führten. Sie feierte gestern um 21:00 Uhr bei Alt Nation Premiere. Kurz danach wurde auch das Lyric-Video veröffentlicht.

Das dritte Studioalbum der Band entstand inmitten der Trennung der beiden Gründer der Band von Gitarrist/Sänger/Produzent Thom Powers und Sängerin der Band Alisa Xayalith. Sie gab zu der Lead-Single folgenden Kommentar ab:

It’s been two years since we came off the road and a lot of life has happened in and all around us. We’ve been broken here and picked ourselves up again — so maybe this chorus talk a little to that experience…love, grief, time passing and returning to a place where we are lucky to have each other.

Die Band wird im Herbst diesen Jahres eine große Amerika Rundreise machen und ich hoffe, dass sie bei ihrem nächsten Deutschland-Stop auch in meiner Nähe halt machen. Denn gerade live verstrahlt die Band eine unglaubliche Energie, die einen einfach fühlen und tanzen lässt.

Quelle Titelbild: Sceenshot Lyric-Video zu Higher

Musikvideo: Casper | Lang Lebe Der Tod

Casper meldet sich endlich zurück! Nach seinem letzten Album Hinterland ist nun schon einige Zeit vergangen und hat man bis auf das Gloomy Boyz Trap-Projekt nicht viel von ihm gehört. Seit gestern gibt es, zur ersten Single Lang Lebe Der Tod (feat. Blixa Bargeld, Dagobert & Sizarr) des gleichnamigen Albums, auch endlich das Musik-Video zu sehen. Beim erstmaligen Hören des Songs dachte ich mir noch: Meh. Doch als ich ihn mir noch ein paar Male angehört habe und auf den Text geachtet habe, dachte ich mir: Wow. Diese Mischung aus verschiedenen Musikstilen und Tempowechseln wirkt im Gesamtpaket dann doch sehr stimmig und ist mir so noch nicht untergekommen. Casper prangert in dem Song, unter anderem mit verschiedenen Metaphern, die Erwartungen/die Hetze der Musikindustrie bzw. die der Zuschauer an und vergleicht die Künstler selbst mit Zirkustieren.

Das Video ist, wie der Song auch, sehr düster gehalten. Am Anfang sieht man ein Liebespaar in den Wald rennen, verfolgt von Männern mit brennenden Fackeln. Ich will hier nichts weiter vorwegnehmen, schaut euch das Video einfach an! Künstlerisch gesehen, ist es auf jeden Fall extrem gut gemacht und mit allerhand Metaphern geschmückt. Die Endszene sollte euch doch sicher aus der Bibel bekannt vorkommen, oder? Und wenn ihr genau hinschaut, werdet ihr auch Herrn Griffey selbst in dem Video erkennen.

Wer Probleme mit Epilepsie hat oder brutale Szenen (Stacheldraht, herausgeschnittene Herzen) nicht sehen kann, sollte sich das Video vielleicht lieber nicht anschauen.

Lang Lebe Der Tod!

Das am 23.09.2016 01.09.2017 erscheinende Album Lang Lebe Der Tod könnt ihr euch bei Amazon vorbestellen. Es wird wohl 12 Songs beinhalten und in verschiedenen Versionen erscheinen. Weitere Details sind vorerst noch nicht bekannt. Anhand des ersten Songs kann man aber schon erahnen, dass das Album in eine andere Richtung als der Vorgänger Hinterland geht. Wir können gespannt sein, denn ich glaube da rollt etwas großes auf uns zu!

Albumreview: Red Hot Chili Peppers | The Getaway

Die Red Hot Chili Peppers melden sich eindrucksvoll mit ihrem neuen Album The Getaway zurück! Fünf Jahre nach I’m With You erschien am Freitag vor 2 Wochen endlich das 11. Studioalbum der Band, diesmal ohne Starproduzent Rick Rubin. Mit Brian Burton aka. Danger Mouse (u.a. schon U2, Gorillaz) durfte nun ein neuer Produzent das Ruder übernehmen und frischen Wind in die Segel blasen. Josh Klinghoffer, dem die ehrenvolle und schwere Aufgabe zu Teil wurde John Frusciante zu ersetzen, scheint endlich angekommen zu sein und hat einige starke Passagen auf dem neuem Album. Seine Live Qualitäten haben sich deutlich verbessert (auch wenn ich die Gitarre immer noch zu leise finde) und den drei alten Recken haucht er gefühlt neues Leben ein.

Wer bei The Getaway ein Blood Sugar Sex Magik erwartet, wird vielleicht enttäuscht sein. The Getaway klingt anders als die anderen Alben. Jeder Song hat seine eigene persönlich Note und grenzt sich von den anderen Songs ab. Es ist ruhiger und emotionaler. Der Sound hat sich weiterentwickelt ohne aber seine Wurzeln zu vergessen. Es ist vielleicht nicht so rockig oder funky, wie anderen Alben von den RHCP, sondern geht zum Teil eher in die Pop Richtung, aber im Gesamteindruck wirkt es wieder sehr stimmig.

Die drei Songs Dark Necessities, The Getaway und We Turn Red waren uns ja schon vorher bekannt. Dark Necessities klingt typisch nach den Peppers. Da kann man nicht ruhig sitzen bleiben. Zu The Getaway muss man auch einfach tanzen, wobei ich finde, dass der Song live noch nicht so richtig wirkt. We Turn Red klingt vom Sound her sehr nach den Chilis aus früheren Tagen. Gefällt mir!

Ayo ayo ayo ayo Goodbye Angels! Mit einer meiner liebsten Songs, des neuen Albums. Der Song fängt ruhig an und endet dann in einem orgiastischen Outro!

Go Robot ist super funky und hört sich sexy an. Auch die Live-Version ist super gelungen.

https://www.youtube.com/watch?v=Gq-bn5YsmnM

Feasting on the Flowers klingt für mich so, als würde der Song eher zum vorherigen Album I’m With You gehören. Er ist zwar ganz nett, aber dennoch fehlt dem Song finde ich irgendetwas.

Dreams of a Samurai zum Abschluss ist dann noch einmal völlig anders. So habe ich die Chilis bisher noch nie gehört, finde ihre Experimentierfreude aber dennoch sehr gut.

Das Album beinhaltet noch ein paar weitere spannende Songs, wo ich aber auch nichts weiter zu schreiben möchte. The Longest Wave hat aber zum Beispiel einen super Refrain!

Wie gesagt The Getaway ist anders, aber lasst mich euch sagen es lohnt sich! Wenn man sich drauf einlässt, erkennt man bei jedem Durchhören immer neue kleine Details und es macht einfach Spaß das Album durchzuhören. Holt euch das Album, hört es auf Spotify oder sonst wo.

Ich hoffe natürlich, dass die Chilis sich dieses oder nächstes Jahr wieder in Deutschland sehen und hören lassen, um ihr Album zu präsentieren. Heute wurden dann auch endlich die Deutschland-Tourdaten veröffentlicht und mit Bedauern musste ich feststellen, dass Hamburg mal wieder ausgelassen wird. Damit kann ich die kommende Tour wohl leider nicht besuchen.Wer trotzdem hin möchte, hier die Deutschland-Tourdaten:

1 November | Munich, Germany | Olympiahalle | Tickets
3 November | Berlin, Germany | Mercedes-Benz Arena | Tickets
8 November | Amsterdam, Netherlands | Ziggo Dome | Tickets
11 November | Luxembourg, Luxembourg | Rockhal | Tickets
14 November | Cologne, Germany | Lanxess Arena | Tickets
16 November | Herning, Denmark | Jyske Bank Boxen | Tickets
17 November | Hannover, Germany | TUI Arena | Tickets
19 November | Frankfurt, Germany | Festhalle | Tickets
21 November | Vienna, Austria | Stadthalle | Tickets

Ein kleines Schmankerl noch zum Abschluss:

Quelle-Beitragsbild: Red Hot Chili Peppers / Photo by Steve Keros

Kieler Woche 2016: Rea Garvey

Endlich ist es soweit. Die Kieler Woche öffnet ihre Pforten und versetzt die Stadt wieder eine Woche lang in den Ausnahmezustand. Gesperrte Straßen, überfüllte Busse, reichlich Bier, viele Musik-Acts und eigentlich schlechtes Wetter. Gestern zum traditionell freitags stattfindenden Soundcheck war uns Petrus allerdings gnädig und die Sonne zeigte sich.

Ein netter Nebeneffekt so eines Spektakels sind die zahlreichen Bands, Künstlerinnen und Künstler, die ihre Musik für die Zuschauer kostenlos präsentieren. Zu den musikalischen Highlights diesen Jahres zählen z.B. Royal Republic, Donots, Die Orsons, Grossstadtgeflüster, Joris, Odeville, Danko Jones, Bela. B oder die heavytones. Standardmäßig im Gepäck sorgen auch Lotto King Karl, United Four oder Torfrock immer für eine gute Stimmung.

Soundcheck mit Rea Garvey

Wir machten uns auf den Weg zur Hörn, wo die große Bühne von R.SH, delta radio und RADIO BOB! steht. Dort sollte um 19 Uhr der irische Musiker Rea Garvey mit seiner Band spielen. Wir kamen erst um 18:45, haben aber dennoch ein nettes Plätzchen gefunden. Der Platz war mit 12000 Menschen zu Konzert-Beginn komplett gefüllt und es konnte losgehen.Rea Garvey1Das Publikum war, wie immer zu solchen Veranstaltungen, von jung bis alt bunt gemischt. Mitklatschen und mitwippen ging soweit ganz gut. Bei weniger bekannten Songs lies die Stimmung jedoch merklich nach, da eben nicht nur die Hardcore-Fans den Weg an die Hörn gefunden haben. Rea lies sich davon nicht beeindrucken und verbreitete mit seiner sympathischen Art eine gute Stimmung.

Zu sehen und zu hören gab es eine 90-minütige Performance, bei der sowohl aktuelle Songs seines neuen Albums Prisma als auch bekannte Hits von ihm zum Besten gegeben wurden. Songs wie Can’t Say No oder Supergirl (orig. Reamonn) kennt eben fast jeder. Dazu wurde getanzt, gesungen und die Menge freute sich.

Den emotionalste Moment des Konzertes erlebte man wohl bei Reas Interpretation des keltischen Songs Black Is The Colour, den er selbst akustisch begleitete.Rea Garvey1Das Konzert selbst war nun nicht sonderlich spektakulär, aber dennoch ein guter Start für die kommende Woche. Mal sehen, wohin wir es noch überall schaffen.

Muse // Barclaycard-Arena Hamburg // 06.06.2016

Mit ihrem aktuellen Konzept-Album Drones waren Muse am vergangen Montag zu Gast in der Barclaycard-Arena im schönen Hamburg und hatten ein wahnsinnige Tech-Show, vollautomatisierte Drohnen und eine 360-Grad Bühne im Gepäck. Schon beim Betreten der Halle wusste ich, dass ein Abend der Extraklasse auf mich warten würde. Ich setzte mich bekleidet mit einem schönen Eventshirt und einem Becher Wasser in der Hand an die Seite. Mein Blick fiel auf die monströse Deckenkonstruktion, die mir beim Betrachten der Bühne gar nicht aufgefallen war. Was dort alles an Technik untergebracht war, wurde einem erst im Verlauf des Abends bewusst.Muse - 360 Grad BühneMuse - Deckenkonstruktion

Jack Garratt zum warm werden

Zur Eröffnung des Abends gab es den sympathischen Briten Jack Garratt auf die Ohren. Einige Menschen um mich herum, schauten etwas verwirrt und waren erstaunt, was der Singer-Songwriter und Multi-Instrumentalist da auf der Bühne vollbrachte. Und tatsächlich: Wenn man ihn noch nie zuvor gehört oder gesehen hatte, würde man vielleicht nicht erwarten, dass der etwas schüchtern wirkende Mann hinter der Cap SO etwas auf die Bühne bringt.

Vom Auftreten her erinnerte er mich etwas an Ed Sheeren, wie er da verloren auf der großen Bühne stand. Bewaffnet mit Loop Station, Keyboard und Schlagzeug machte er sich dann ans Werk und lieferte eine halbstündige Performance ab. Als er bei den letzten beiden Songs dann noch seine Gitarre in die Hand nahm und einige klasse Soli hinlegte, klappten die Münder um mich herum noch weiter nach unten. Das bunt gemischte Publikum applaudierte und war begeistert. Die Stimmung war gut aufgelockert und alle warteten sehnsüchtig auf die große Show von Bellamy, Wolstenholme und Howard.

Licht aus, Muse an

Zunächst folgte eine Ansage. Man solle bitte den Blitz seines Smartphones oder seiner Kamera ausschalten, um jeden Besucher das bestmögliche Erlebnis gewährleisten zu können. Sehr löblich und von den meisten Anwesenden auch umgesetzt.

Die Band ließ uns etwas warten, bis um 21:15 endlich das Licht erlosch. Die Menge jubelte und Bellamys sphärische Stimme zum Intro Drones, welches vom Tape gespielt wurde, erklang. Dazu wurden zwölf kugelige und mit LEDs gespickte Drohnen aus der Deckenkonstruktion gelassen. Eine perfekte Inszenierung, die aber eher faszinierend und mal so gar nicht zu dem ernsten Thema passte, welches textlich über das runde Display, oberhalb der Bühne, waberte.Muse - DronesDanach krachte Bellamys Gitarre aus den Boxen und es ging mit Psycho und Reapers erst richtig los. Die politische Message des Albums wurde einem so, direkt am Anfang der Show, ins Ohr gepustet. Matthew tänzelte über die sich drehende Bühne, inmitten der Fans, und setze gekonnt seine Gitarre in Szene. Er ist einfach eine coole Rampensau.

Bei dem dramatischen The 2nd Law: Isolated System störte mich ein wenig das Klatschen der Menge. Der Song lädt zwar dazu ein, im Takt mit zu klatschen, aber ich finde er lebt einfach davon, dass man sich ihm hingibt und es einfach auf sich wirken lässt. Sei es drum.Muse - The 2nd Law: Isolated SystemZu The Handler erlebte man wohl den visuellen Höhepunkt der Show. Wolstenholme und Bellamy hingen an überdimensionalen Händen, die auf heruntergelassenen Gaze-Vorhängen projiziert wurden. Die Musiker hingen quasi wie Marionetten an den Händen und performten den Song. Howard am Schlagzeug wurde dabei immer wieder von Lichtblitzen erleuchtet. Ein Genuss für die Augen und Ohren.

Die Setlist bot für jeden etwas und war gespickt mit einer Vielzahl von Songs des aktuellen Albums, wobei natürlich diverse Klassiker, wie Bliss, Hysteria und Time Is Running Out nicht fehlten. Einzig Plug in Baby wurde von manchen Fans schmerzlich vermisst, aber das tat dem Ganzen keinen Abbruch. Im Gegenteil.  Zeit zum Durchatmen gab es nicht, weder für die Zuschauer noch für Schlagzeuger Dominic Howard. Muse feuerten einen Song nach dem anderen heraus und man war die ganze Show über wie elektrisiert. Muse - Supermassive Black HoleDie Drohnen verwandelten sich bei Supermassive Black Hole zu tanzenden Disko-Kugeln, die ihre Formationen flogen. Dies bot zusammen mit der Lichtshow einen wunderbaren Anblick. Bilder und Worte alleine lassen einen aber nicht beschreiben, wie gut das alles wirklich zusammen passte.Muse - The GlobalistAls Schlusspunkt des regulären Sets gab es den neuen Track The Globalist. Bei dem Song flog eine Riesendrohne durch die Halle, welche natürlich alle Blicke auf sich zog. Ich konnte förmlich Bellamys Grinsen hören, weil er wusste, dass auch diese Inszenierung wieder perfekt funktionierte.Muse - Riesendrohne

You and I must fight for our rights

Nachdem Drones ein weiteres Mal vom Tape gelassen wurde, folgte auch prompt die Zugabe, bestehend aus Mercy und Knights of Cydonia. Zu Mercy zog die Effektkiste nochmal alle Register und feuerte eine große Anzahl an Konfettikanonen ab.Muse - MercyKnights of Cydonia als pompöser Abschluss einer fantastischen Show passte einfach perfekt. Wer es bis jetzt immer noch nicht geschafft hatte, sich von seinem Sitz zu erheben oder mit zu springen, tat es jetzt in jedem Fall. 11000 Fans tanzten, sangen und wurden Augenzeuge einer bombastischen Show. Bellamy legte die Gitarre nieder und die Band verließ unter tosendem Applaus die Bühne. Die Fans der ersten Reihe wurden abgeklatscht (so auch ich, weil ich schnell zum Gitter hinter mir gelaufen bin) und das Spektakel war beendet.MuseEin knapp zweistündiger, audiovisueller Orgasmus lag hinter mir und ich verließ überglücklich die Halle. Die 360-Grad Bühne wirkte in Kombination mit der Technik einfach unglaublich gut. Klar hätte man Plug in Baby gerne gehört, aber das Geld für die Karte hat sich definitiv bezahlt gemacht. So eine „größenwahnsinnige“ Performance habe ich bisher noch nie erlebt. Die Show selbst, die diversen visuellen Effekte und der laute, druckvolle Sound waren einfach überragend. Danke Muse. Was ein Abend!

Setlist – Muse – 06.06.2016 Hamburg:

  • Drones (Intro)
  • Psycho
  • Reapsers
  • Bliss
  • Dead Inside
  • Map of the Problematique
  • The 2nd Law: Isolated System
  • The Handler
  • Resistance
  • Supermassive Black Hole
  • Prelude
  • Starlight
  • Feeling Good
  • Munich Jam
  • Madness
  • [JFK]
  • Interlude
  • Hysteria
  • Time Is Running Out
  • Uprising
  • The Globalist
  • Drones (Outro)
  • Mercy
  • Knights of Cydonia

AC/DC // Volksparkstadion Hamburg // 26.05.2016

For those about to rock – we salute you! Was war das im Vorfeld für ein Wirbel. Als bekannt wurde, dass Sänger Brian Johnson aufgrund drohender Taubheit nicht als Sänger bei den restlichen Konzerten der Rock Or Bust World Tour fungieren würde, musste ein neuer Sänger gefunden werden. Die Wahl fiel auf Guns N‘ Roses Frontmann Axl Rose. Die Entrüstung seitens der Fangemeinde war relativ groß und es gaben viele Leute ihre teuren Karten zurück. Ein Fehler wie ich fand. Die ersten Amateurvideos ließen vermuten, dass AXL/DC wohl doch funktionieren kann.

Angekommen im schönsten Stadion Deutschlands ging die lange Wartezeit dann los. Leckeres Schäbiges Bier für abartige 5€ wurden vertilgt und das teure Merchandise begutachtet. Fünfunddreißig verdammte Euro (in Zahlen: 35€) für ein blödes T-Shirt waren dann aber selbst mir zu viel und so ging es schnell in den vorderen Bereich des Innenraums. Das Stadion füllte sich recht langsam, aber pünktlich um 19 Uhr dröhnten erste Töne aus den massiven Boxen.

Tyler Bryant and the Shakedown

Die in Deutschland noch weitgehend sehr unbekannte Band um Frontmann Tyler Bryant, die normalerweise in Clubs oder kleineren Hallen spielt, lieferte eine echt routinierte Show. Dem Quartett machte es sichtlich Spaß die große Bühne zu rocken und es war ein Genuss zuzuhören. Die Band bot eine Mischung aus groovigem Rock und etwas Blues. Man wippte mit und Tyler Bryant versuchte durch Soli, ordentlichem Gesang und seinem Gerenne auf der Bühne die Menge anzuwärmen. Da sollte man auf jeden Fall mal reinhören!

Insgesamt durften sie dem Publikum eine dreiviertel Stunde lang einheizen, bevor es dann in eine Umbaupause überging.

Hell, It’s about time!

21:35. Das Licht ging aus, das bombastische Intro startete und 46000 Leute rasteten komplett aus. Die Gitarre von Angus Young und die Stimme von Axl Rose erklangen und ab ging die wilde Fahrt. Das Set begann mit Rock Or Bust, dem Titelsong der Tour, was auch gleichzeitig sowas wie das ‚Motto‘ der Band darstellt. Unglaublich wie Gitarrist Angus Young, wie ein junger Gott, über die Bühne tänzelte. Sofern AC/DC das Sänger-Problem in den Griff bekommt, werden die in 20 Jahren noch Musik machen. Ob das Not tut, muss jeder für sich entscheiden. Aber zurück zum Wesentlichen. Schon nach den ersten 3 Songs (Rock or Bust, Shoot to Thrill, Hell Ain’t a Bad Place to Be) erlangten meine Ohren den Taubheitsgrad 1. Die 40 zusätzlichen Verstärker auf der Bühne sorgten für ordentlichen Bums und noch den Tag danach hatte ich ein monotones Rauschen im Ohr. Weiter ging es mit Back in Black!

Dadurch, dass nun Axl Rose am Mikrofon agierte, wurde die sonst eher starre Setlist etwas verändert. Natürlich waren die bekanntesten Song mit dabei, aber es gab auch Song, die sonst vor 30 Jahren zuletzt live gespielt wurden. Hierbei sorgten unter anderem Riff Raff und Given The Dog A Bone unter der Fangemeinschaft für Begeisterung. Die Show war allgemein von Weltformat. Hells Bells wurde durch die obligatorische Glocke eingeläutet, Rosie war natürlich auch dabei und zu Highway to Hell „brannte“ förmlich die Bühne.

AC/DC - Hells Bells
AC/DC – Hells Bells
AC/DC - Whole Lotta Rosie
AC/DC – Whole Lotta Rosie

AXL/DC

Kritik an Axl/DC?

Die Kritik an Axl Rose kann ich nicht nachvollziehen. Er mag zwar in früheren Zeiten Aussetzer gehabt haben und seine Divenhaftigkeit kann man keinesfalls gut heißen, aber was der Mann an diesem Abend geleistet hat, war phänomenal. Der massive Druck von außen und eine schwere Fußverletzung hielten ihn nicht davon ab, die Bühne zu rocken und die Band mit seiner Energie und seiner gewaltigen Stimme, die wirklich gut passte, durch das Set zu leiten. Er blieb dabei seiner Linie treu (Cowboyhut, zerrissene Jeans, Goldketten) und auch die Teleprompter seien ihm verziehen. Es ist vielleicht nicht mehr zu 100% AC/DC, aber trotzdem passte diese Kombination teuflisch gut.

AC/DC - Angus Young

Der Mann des Abends hieß jedoch Angus Young. Unmenschlich. Was der Mann auf der Bühne für eine Energie und eine Spielfreude an den Tag legt ist Wahnsinn! Immer wieder machte er sich auf den Weg über den Steg auf die kleinere Bühne und feuerte ein Riff nach dem anderen heraus. Nach Let There Be Rock verzückte er uns mit einem 15-minütigen Solo. Ein Genuss! (Obwohl es mir nach 10 Minuten schon anfing auf den Sack zu gehen.)

Fazit

Ein rundum gelungener Abend nahm um 22:50 mit For Those About to Rock sein Ende. Das Abfeuern der mitgebrachten Kanonen sorgte nochmal für ein Erschüttern des Trommelfells. Die Show endete mit einem großen Knall, einem Feuerwerk und den letzten Töne aus der Gitarre von Angus Young. Ich habe danach noch mit anderen AC/DC Fans gesprochen, die die Band schon öfter gesehen haben. Dort herrschte ebenfalls fast einstimmig die Meinung, dass das ein geiles Konzert und Axl Rose als Sänger ein würdiger Ersatz war/ist.

AC/DC - For Those About To Rock

AC/DC – we salute you!