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Ein legendäres Konzert: The National live in der Elbphilharmonie, Hamburg (21.10.2017)

Wer als Lieblingsband von Barack Obama gilt, muss einiges zu bieten haben. Melancholische, oft schwer durchschaubare Texte gesungen von einer Bariton-Stimme, unterlegt von durchdachten Melodien. Die Zwillinge Aaron und Bryce Dessner, die Brüder Bryan und Scott Devendorf und Sänger Matt Berninger bilden zusammen die hochgelobte Indie-Rock-Band The National. Gitarrist und Komponist Bryce Dessner war als sogenannter Reflektor zu Gast in der Elbphilharmonie im schönen Hamburg und durfte sich zwei Tage in den Räumlichkeiten musikalisch austoben. Natürlich stand auch ein Konzert mit seiner Band auf dem Programm. Dankenswerterweise durfte ich beim Konzert in der Elbphilharmonie in Hamburg dabei sein und war Zeuge eines unglaublichen Abends.

Einzigartige Atmosphäre

Pünktlich um 21 Uhr wurde es ruhig im Großen Saal der Elbphilharmonie. Die Bühne wurde in schimmerndes Licht getaucht und die Band betrat die Szenarie. Lauter Jubel ertönte, wie so oft an diesem Abend und die meist sieben bis neun Personen auf dem Parkett stimmten „Nobody Else Will Be There“, vom neuen Album Sleep Well Beast an. Unterstützt wurden sie dabei von Lisa Hannigan, die am Vorabend schon ein Konzert mit Aaron Dessner spielte und gelegentlich wieder auf die Bühne kam, um die Songs mit ihrer außergewöhnlichen Stimme zu untermalen. Das Bühnenbild war recht schlicht gehalten und wurde durch eine stimmungsvolle Lichtshow ergänzt.

Die Akustik war fantastisch und ist mit nichts vergleichbar, was ich bisher erlebt habe. Wer sich zum Beispiel den Mitschnitt vom Livestream anschaut, bekommt ein ganz anderes Klangbild. Diese Vibes kommen live noch einmal ganz anders rüber und lassen sich auch so nicht einfangen. Das muss man einfach erlebt haben. Schon bei den ersten Tönen breitete sich eine leichte Gänsehaut auf meinem Körper aus. Am Anfang war Berningers Stimme zwar noch etwas laut, was sich allerdings schnell einpegelte. Alles klang sehr differenziert, man konnte sich auf einzelne Instrumente fokussieren und selbst bei lauteren Parts war der Sound trotzdem weder matschig noch zu laut. Ich werde auch nie die Eiswürfel ins Berningers Glas vergessen als er dies schwenkte, da eben jeder Ton angenehm durch den Raum getragen wird.

Foto: Peter Hundert

Der Auftritt stand ganz im Zeichen des neuen Albums Sleep Well Beast. Allein die ersten vier Songs des Konzerts kamen vom besagten Album, wovon fast alle Songs an dem Abend auch performt wurden. Wie gut ist bitte beispielsweise „Guilty Party“? Für die Zuschauer gab es dann spätestens ab dem fünften Song kein Halten mehr, als mit „Don’t Swallow the Cap“ und „Bloodbuzz Ohio“ älterer Stücke der Band gespielt wurden. Einige sprangen von ihren Sitzen auf und tanzten in den Gängen weiter.

Abwechslungsreiche und wohlbedachte Setlist

Die Setlist im Gesamten betrachtet war beinahe perfekt, wo nach ruhigen Passagen immer wieder lautere Stücke eingefädelt wurden. Das neue Album fügte sich nahtlos in die alten Sachen hinein, wobei „Day I Die“ und „The System Only Dreams In Total Darkness“ beim Publikum am meisten abgefeiert wurden. Mir fehlten nur eins, zwei Songs, die ich gerne gehört hätte, aber sie hatte ansonsten einige Raritäten, wie „Lucky You“ oder „Wasp Nest“ parat. Da ich die Band zum ersten Mal live erleben konnte, freute ich mich natürlich endlich einmal Songs wie „I Need My Girl“ und „Fake Empire“ hören zu dürfen und meine Erwartungen wurden bei weitem übertroffen.

An dem Abend wünschte ich mir die Gedanken von Sänger Matt Berninger lesen zu können. Sein Treiben auf der Bühne zu verfolgen war höchst faszinierend. Mal kletterte er über die Stühle, sang einen Song im Publikum oder holte jemanden auf die Bühne. Dann warf er seinen Becher samt Inhalt ins Publikum. Mal stand er einfach beobachtend an der Seite oder spielte Luftgitarre. Und mal verlor er sich so sehr in den Songs, dass er wie ein Besessener an den Rändern der Bühne umher wandelte und auf seine Art ins Mikrofon schrie. Gerade bei schnelleren Stücken wie „Turtleneck“ und „Mr. November“ war das schon irgendwie beeindruckend.

Foto: Peter Hundert

Der Zugabenteil war dann wiederum mit Highlights gespickt „Lucky You“, ein Cover zu „The KKK Took My Baby Away“ von den Ramones, „Mr. November“ und „Terrible Love“. Einfach großartig und bedarf keiner weiteren Erklärung. Getoppt wurde das ganze dann noch, als nach knapp über 2 Stunden der letzte Song „Vanderlyle Crybaby Geeks“ komplett unplugged gespielt wurde. Gänsehaut und mir fehlten die Worte.

Grandiose Liveband

Es ist mir wahrlich schwer gefallen, das alles in Worte zu fassen. Ich hoffe meine Begeisterung kommt verständlich rüber. Das Konzerterlebnis war ganz großes Kino. Eine solch virtuose Band in so einem Rahmen zu erleben, war unglaublich. Für mich eines der besten Konzert-Erlebnisse meines bisherigen Lebens und ich bin immer noch ganz hin und weg. Legendär.

Für diejenigen, die nicht bei dem Konzert dabei waren: Es wurde live im Internet übertragen und ist nun auch auf YouTube verfügbar.

Setlist: The National – Elbphilharmonie, Hamburg (21.10.2017)

Von Setlist.fm:

  1. Nobody Else Will Be There*
  2. The System Only Dreams in Total Darkness
  3. Walk It Back°
  4. Guilty Party*°
  5. Don’t Swallow the Cap°
  6. Bloodbuzz Ohio
  7. Born to Beg*°
  8. I’ll Still Destroy You*
  9. I Need My Girl*
  10. Dark Side of the Gym*<
  11. Turtleneck
  12. Wasp Nest
  13. Green Gloves
  14. Slow Show
  15. Carin at the Liquor Store*
  16. Day I Die
  17. Fake Empire
  18. Sleep Well Beast°
  19. About Today
  20. Lucky You
  21. The KKK Took My Baby Away (Ramones cover)°
  22. Mr. November
  23. Terrible Love°
  24. Vanderlyle Crybaby Geeks*

* with Lisa Hannigan
° with Jan St. Werner

Titelbild: Peter Hundert / Elbphilharmonie

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Veröffentlicht inKonzertberichteMusik

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