Die Monolith Tour brachte Thirty Seconds To Mars, die Band um die beiden Leto Brüder Jared und Shannon, auch in die Hamburger Barclaycard-Arena. Mit ihrem neuen Album America geraten sie immer mehr weg vom stadiontauglichen Alternative Rock der alten Zeiten und rutschen weiter in den Elektro Bombast des Mainstreams. Die Entwicklungen von Coldplay und Linkin Park lassen grüßen. Vielen mag dieser Schritt missfallen, im Radio werden sie jedoch nicht ohne Grund rauf und runter gespielt. „Rescue Me“, „Walk On Water“ und „Dangerous Night“ sind Dance-Nummern, die sich Stilen aus dem elektronischen Bereich bedienen und das funktioniert einfach. Das Konzert selbst war.. okay. Schaut einfach mal in die Review rein!
Der gottgleiche Messias
Fangen wir am besten einfach von vorne an. Die Bühne wurde ein Drittel nach vorne in den Innenraum verlegt und container-mäßig versperrten große, nach innen gedrehte LED-Wände die Sicht darauf. Eine angenehme Abwechslung zu sonstigen Konzerten. Support-Act? Fehlanzeige. Stattdessen wurde das Licht um 19:15 Uhr abgedunkelt, die Musik lauter gedreht und die ersten Minuten dachte ich, dass eine Spotify-Playlist durchlaufen würde. Nach einem Blick in den hinteren Teil der Halle war mir klar: Da ist ein DJ am Werkeln. Der hatte von seinem Handwerk aber eher wenig Ahnung. Grauenhafte Übergänge und irgendwann war man einfach genervt. Ein paar Lichtblicke mit einigen Songs gab es dann doch, aber dass man zum Beispiel Remixe von Songs der Hauptband spielt, geht einfach überhaupt nicht. Der DJ war dann gegen 20:15 Uhr fertig und alle waren voller Erwartung. Nachdem sich auf den Videoleinwänden etwas tat, kam Jubel auf, der irgendwann in laute Buh-Rufe und Pfiffe überging, was ich auf Konzerten auch noch nicht erlebt habe. Denn anstatt, dass das Konzert losging, wurden ganze zwei (!) kurze Werbespots (Jeans und Scotch) bestimmt 10 Minuten in Dauerschleife präsentiert. Und natürlich gab es noch eine Werbung für das exklusive Camp Mars auf Malibu im August 2018, wo ihr ein Wochenende mit der Band für einen kleinen Haufen Geld verbringen könnt.
Nun gut. Irgendwann ging das Licht dann wirklich aus und die Band trat auf die Bühne. Das Publikum schrie, applaudierte und aus den Boxen dröhnte es laut. Doch die Band ließ uns so noch weitere 10 (!) Minuten warten, bis es dann wirklich losging. „Monolith“ vom neuen Album fungierte als Intro und die LED-Wände erhoben sich und klappten auseinander. Heraus trat eine Person mit großer Sonnenbrille, gehüllt in einen Boxmantel: der Messisas Jared Leto persönlich. Zumindest hält er sich für einen Messias, aber dazu später mehr. Wie Michael Jackson stand er da, breitete seine Arme aus und ließ sich feiern. Eine Backing-Band, bestehend aus Bassist und Keyboarder, gab es halb versteckt hinter der Bühne auch noch. Und natürlich Bruder Shannon Leto am Schlagzeug, der dauernd von Technikern umgeben war, weil sein Instrument arretiert werden musste. Das dritte Mitglied der Band Tomislav Miličević glänzte aufgrund von persönlichen Problemen mit Abwesenheit. Ansonsten fanden sich auf der Bühne dauerhaft Fotografen oder eine Dame, die Videos für Instagram machte, was irgendwann einfach nur nervte. Man fühlte sich beinahe wie auf einer PR-Show. Der Großteil der Leute, die auf die Bühne geholt wurden, waren mit ihrer eigenen PR-Show beschäftigt und achteten eher auf ihr Handy, als den besonderen Moment auf der Bühne zu genießen.
Auch Musik gab es zu hören
Musik wurde natürlich auch gespielt, die einerseits sehr ordentlich klang, aber zu oft zur Nebensache wurde. Songs wurden abgebrochen oder gingen in dauerhaften „Jump“-Rufen oder Ohh-ohh-Chören unter. Dabei musste sich Jared Leto nicht einmal besonders Mühe geben, die Leute fraßen ihm ja aus der Hand. Das ist echt schade, dass er seine Stimme so versteckt, weil er eigentlich ein guter Sänger ist, wie man auf seinen Alben durchaus hören kann. Lichtblicke waren da „The Kill (Bury Me)“ oder „Stay“, ein Cover von Rihanna, wo er auch endlich mal seine Stimme voll ausschöpfte. Auch ansonsten gab es zumindest musikalisch wenig zu meckern. Der Sound besserte sich zur zweiten Hälfte, die dann auch sehr Spaß machte. „Hurricane“ wurde aber zum Beispiel komplett verhunzt. Ein grandioser, atmosphärischer Song mit tollem Aufbau, der einfach nach der Hälfte abgebrochen wurde. Auch die sonst so energischen Parts sang er eher seicht. Trotzdem war es schön, dass sie auch eine Vielzahl älterer Songs und einiges vom Album This Is War gespielt haben.
Da die Setlist, im Gegensatz zu vorherigen Konzerten der Tour, um 2-3 Songs gekürzt wurde, war nach 90 Minuten Schluss. Wenn man das Warten auf der Bühne am Anfang abzieht, gar nach 80 Minuten. Das herzergreifende Tribute-Medley wurde leider auch nicht zum Besten gegeben. Leider hat die Band viele Sympathien bei mir verspielt, auch wenn ich mir die Platten gerne anhöre. Live werde ich beim nächsten Mal gerne verzichten und nicht nochmal die 65€ zahlen. Vielleicht besinnt sich die Band mal wieder auf ihre Stärken und Jared Leto verlässt mal seine Wolke, auf der er einsam dahinschwebt. Mir persönlich war das zu viel Pathos, auch wenn er mit seiner Energie das Publikum gut anheizte. Ein grandioser Alleinunterhalter ist er in jedem Fall. Es kommt auch ein bisschen darauf an, welche Kriterien man anlegt. Erwartet man eine virtuose Band mit krassem Lead-Gesang wurde man von dem Abend eher enttäuscht. Erwartet man allerdings eine Band für 90 Minuten Spaß und gute Laune, mit sehr viel Energie eines posierenden Frontmanns, dürfte man begeistert gewesen sein. Insgesamt betrachtet war der Abend durchwachsen und musikalisch okay bis gut. Mit anderen Rahmenbedingungen hätte ich sicher mehr Spaß gehabt.
Setlist: Thirty Seconds To Mars – Monolith Tour 2018 – Hamburg (02.05.2018)
- Monolith
- Up in the Air
- Kings and Queens
- Search and Destroy
- This Is War
- Dangerous Night
- Do or Die
– Vom Tape: Pyres of Varanasi – - The Kill (Bury Me)
- Stay (Rihanna cover)
- Hurricane
- City of Angels
- Rescue Me
- Walk on Water
- Closer to the Edge
Tourdaten: Thirty Seconds To Mars 2018
- 03.05.2018 – Berlin, Mercedes-Benz-Arena
- 04.05.2018 – Köln, LANXESS Arena
- 01.06.2018 – Rock am Ring
- 02.06.2018 – Rock im Park
- 22.08.2018 – Dresden, Messe Halle 1
- 27.08.2018 – Freiburg, Messe
- 01.09.2018 – Graz, Stadthalle (AUS)
- 05.09.2018 – Hannover, TUI Arena
- 06.09.2018 – Esch Alzette, Rockhal (LUX)
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