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Einmal zum Prom in die altehrwürdige Royal Albert Hall in London

Vor drei Wochen war ich mit meiner Freundin in London und wir sind eher zufällig an der Royal Albert Hall vorbeigekommen. Dort habe ich ein Plakat gesehen, dass momentan die Proms stattfinden und die Idee in meinem Kopf war geboren. Es kann ja schließlich kein Monat ohne Konzert vergehen.

Was sind die Proms?

Ich zitiere einfach mal Wikipedia:

Die Proms sind eine traditionelle Sommerkonzertreihe in London. Alljährlich finden zwischen Juli und September täglich Konzerte mit klassischer Musik, insgesamt über 70 an der Zahl, statt, hauptsächlich in der Royal Albert Hall in Kensington.

Die Proms gipfeln dann in der Last Night of the Proms, die eigentlich viel berühmter ist, als die Konzertreihe an sich und von der ihr sicher schon gehört habt. Das Konzept ist eigentlich sehr schön. Es werden zunächst alle Sitzplatzkarten verkauft und am eigentlichen Tag des Proms gehen die Stehplatzkarten für den Innenraum oder für die Gallerie in den Verkauf. Diese sind mit knapp 8 Pfund unglaublich günstig. Aber auch sonst kann man zu einer Vielzahl von Konzerten immer an gute und günstige Karten kommen. Wir haben an dem Tag für einen Sitzplatz im Oberrang 12,50 Pfund bezahlt.

Wir hatten am Donnerstagabend noch genug Zeit und sind spontan zur Halle hingegangen. Die Dame am Ticketschalter war überaus freundlich, hat uns die verschiedenen Ticketkategorien erklärt und uns günstige Plätze im oberen Rang vermittelt. Durch die runde/ellipsenförmige Bauweise sind aber selbst diese Plätze noch recht nah dran. Die Taschenkontrolle ging zügig und wir haben unseren Rucksack, volle Trinkflaschen, Kekse und was sonst noch drin war mitreinbekommen. Selbst unsere Spiegelreflex-Kamera hätten wir mitnehmen können, trotz zweithöchster Terrorwarnstufe in Großbritannien! In Deutschland wäre sowas undenkbar. Da hätte man ja nicht einmal leere Trinkbehälter mitnehmen dürfen. Außerdem wurden im Treppenhaus viele Karaffen mit eiskaltem Wasser plus genügend Plastikbecher zur freien Verfügung ausgestellt. Diese wurden während den Performances sogar wieder aufgefüllt. Ansonsten zahlt man für Getränke typische Konzerthallen und Musicalpreise.

Das altehrwürdige Rund ist ziemlich beeindruckend. Schon von außen kann man erahnen, wie es drinnen aussehen muss. Und tatsächlich: Es ist einfach nur beeindruckend. Man kommt in den Saal und kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Die Bühne mit der davorliegenden Steharena, der untere Rang, die darüber liegenden Stalls, der obere Ring und die Gallerie bieten ein symbiotisches Bild und eine tolle Atmosphäre. Die Sitze sind total bequem, da sie bis zum Kopf reichen und man sich bequem anlehnen konnte.

Prom 25: Tchaikovsky, Glinka & Joby Talbot

Das Programm für den Prom 25:

  • Mikhail Ivanovich Glinka: Summer Night in Madrid (Spanish Overture No 2) (10 mins)
  • Joby Talbot: Ink Dark Moon for guitar and orchestra (25 mins)
  • Pyotr Ilyich Tchaikovsky The Nutcracker – Act 1 (50 mins)

Der erste Teil war nett anzuhören, aber diente eher dazu, dass nach 10 Minuten auch die Zuspätkommer den Saal betreten konnte. Aber dennoch beeindruckte die Halle mit ihrer Akustik. Dafür hingen diverse Mikrofone von der Decke, um den Sound perfekt auszutarieren, die Bühne hatte eine spezielle Deckenkonstruktion und auch die Decke der Halle war mit runden Reflektoren ausgestattet. Der Klang ist zwar nicht ganz so einnehmend, wie in der Elbphilharmonie, aber total brillant und jedes Instrument war glasklar rauszuhören. Selbst in die oberen Ränge wurde der Sound perfekt transportiert. Das BBC Symphony Orchestra (unter dem Dirigenten Alexander Vedernikov) bestand teilweise aus etwa 90 Personen, was sehr beeindruckend war.

Der zweite Teil war schon deutlich interessanter, denn Gitarrist Miloš Karadaglić betrat die Bühne und spielte auf seiner Gitarre, in Harmonie mit dem Orchester, ein maßgeschneidertes Stück. Angepriesen war ein Balkansound, der dann doch eher Spanisch klang, aber es machte großen Spaß zuzuhören.

Zum dritten Teil betrat die Finchley Childrens Music Group die Bühne, ein Kinderchor, der zum Ende gebraucht wurde. Gespielt wurde der erste Akt vom Ballettstück Der Nussknacker von Tschaikowsky. Wunderschön und fesselnd, da man vieles wiedererkannt hat und der zum Schluss einsetzende Chor bereitete äußerste Gänsehaut. Wenn ich mir zuhause Klassik anhöre, kann ich dem meistens nicht viel abgewinnen, aber live entflammt in mir eine kleine Faszination dafür. Wer also zufällig zur Proms-Zeit in London ist, sollte mal überlegen, der Royal Albert Hall einen Besuch abzustatten. Lohnt sich!

Ich wäre Dir sehr dankbar, wenn Du den Artikel teilst oder kommentierst! <3

Veröffentlicht inKonzertberichteMusik

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