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GRIS Screenshot / Nomada Studio

Emotionales Kunstwerk als Spiel: GRIS

Für manche Spielerlebnisse muss man die richtige Zeit wählen und die passende Stimmung haben, um vollends in die Erfahrung eintauchen zu können. So auch bei GRIS, entwickelt vom spanischen Nomada Studio. Das Spiel ist in erster Linie ein Platformer/Jump ’n’ Run-Adventure mit einer Dauer von gut 3 Stunden. Hinter GRIS steckt aber so viel mehr. Es ist eine Reise durch Leid, Verlust, Depression, Wiederauferstehung und für mich eines der schönsten Spiele, die ich je gespielt habe. Ein künstlerisches Meisterwerk, wundervoll verpackt in atemberaubenden Bildern und einem mitreißenden Soundtrack. Eine Erfahrung, die auf allen Ebenen berührt.

GRIS – Reveal Trailer

Wer das Spiel noch nicht gespielt, jetzt aber doch Bock darauf bekommen hat, sollte nicht weiterlesen. Spoilergefahr!

Atemberaubend

GRIS ist ein Platformer bzw. ein Jump ’n’ Run Spiel. Die interessanten Mechaniken sind recht einfach gehalten. Der Schwierigkeitsgrad steigert sich nur langsam und geht nie über moderat hinaus. Es gibt keine Gegner und man kann auch nichts verkehrt machen. Das Spiel kommt quasi ohne Sprache aus und Hinweise darauf, was zu tun ist, gibt es nur sporadisch. Die Animationen sind alle sehr leichtfüßig und es hat teilweise schon fast etwas meditatives. Dazu kommen wahnsinnig tolle und intime Momente während des Spiels. Wenn man aber ein, zwei Ebenen tiefer in das Geschehen schaut, offenbart sich erst der Blick aufs Ganze.

Gris ist ein hoffnungsvolles, junges Mädchen, das in seiner Welt verloren ist – befasst mit einer schmerzhaften Erfahrung. Ihre Reise durch den Kummer manifestiert sich in ihrem Kleid, das ihr neue Fähigkeiten gibt, sich durch ihre verblasste Wirklichkeit zu bewegen. Im Laufe der Handlung wächst Gris emotional und lernt, ihre Welt auf neue Art zu sehen und sie durch Fähigkeiten über neue Pfade zu erforschen, die sich ihr enthüllen.

GRIS – Steam

Im Spiel selbst durchleben wir die fünf Phasen der Trauer. Wir kommen wieder einmal zur Psychologen Elisabeth Kübler-Ross. In ihrem Buch On Death and Dying beschrieb sie zum ersten Mal die fünf Phasen der Trauer: Leugnen, Zorn, Verhandeln, Depression, Akzeptanz. Im Spiel begleiten wir die junge Protagonistin Gris durch diese fünf Phasen. All dies passiert in so atemberaubender Schönheit, dass man sich dem Ganzen kaum entziehen kann.

Die Atmosphäre des Spiels ist einfach phänomenal. Allein schon der Look, der an Aquarelle erinnert, ist für sich genommen schon ziemlich beeindruckend. Da kann man in jeder Sekunde einen Screenshot machen, den man sich am liebsten direkt auf Leinwand ins Wohnzimmer hängen möchte. In Kombination mit dem wunderschönen Soundtrack, der spanischen Band Berlinist, kann das Spiel seine komplette Wirkung entfalten. Geleitet von Keyboard, Streichern, Harmonium, Synthies und tollen Chören bekommen wir hier satte 27 Stücke, über die ich einen ganzen Blogbeitrag lang schwärmen könnte. Da sind so viele schöne Momente bei, die einen Gänsehautrausch bei mir auslösen, dass ich mir den Soundtrack wohl noch lange anhören werde.

Einnehmend emotional

Mich hat dieses Erlebnis angesprochen, mitgenommen und tief berührt. Schon die Intro-Sequenz ist ganz besonders und lässt einen direkt mitfühlen. Gris verliert ihre Stimme, zerbricht und fällt und fällt und fällt. Ganz unten angekommen, ist ihre Welt grau (das spanische Wort dafür ist übrigens "gris") und sie kriecht vor sich hin. Am Anfang lernt sie laufen, bestreitet Hindernisse und nach und nach färbt sie ihre Welt wieder bunt und erlangt ihre Fertigkeiten wieder. Sie wird immer wieder zurückgeworfen und findet doch wieder ihren Platz in der Welt. Ich hatte nicht nur einmal Gänsehaut und musste am Ende sogar ein paar Tränen verdrücken.

Durch die wenigen subtile Hinweise bekommt man nur einen kurzen Blick auf die Geschichte und kann das Spiel metaphorisch auch anders deuten. Mich haben viele Stellen an Depressionen erinnert, da auch hier der Prozess ähnlich sein kann, wie gerade beschrieben. Wer sich in Spiele wie Ori and the Blind Forest, Journey, Inside oder Monumenty Valley verlieben konnte, dem dürfte auch GRIS gefallen. Für mich ist dieses Spiel einfach pure Kunst und ich werde es in nächster Zeit sicher direkt noch einmal spielen.

Ich wäre Dir sehr dankbar, wenn Du den Artikel teilst oder kommentierst! <3

Veröffentlicht inGamingPopkultur

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