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British Summer Time 2018 im Hyde Park London: Das Festival der virtuosen Legenden mit Headliner Eric Clapton (08.07.2018)

Zugegeben, die Überschrift wirkt vielleicht etwas übertrieben, aber ich habe wirklich legendäre Musiker erlebt. Das British Summer Time Festival in London hatte als Headliner Eric Clapton mit weiteren Special Guests wie Santana und Steve Winwood geladen. Die Herrschaften machen seit über 50 Jahren Musik, haben Musikgeschichte geschrieben und waren maßgeblich bei der Entwicklung einiger Stile beteiligt. Ein erstes kurzes Fazit: Es war unglaublich. Ich musste mir manchmal echt die Freudentränen aus den Augen wischen und mir klar machen, dass ich hier gerade mitten in London bei einem Konzert von Eric Clapton stehe. Die Tage danach wirkte das Erlebnis immer noch so surreal, dass der Bericht erst jetzt kommt.

Es war einmal

Die Geschichte beginnt Anfang Dezember. Ihr müsst wissen, dass mein Papa großer Fan von Clapton und allgemein handgemachter Musik ist. Die Ankündigung für den Festivaltag kam kurz vor Weihnachten wie gerufen und das Geschenk war, mit der Familie besprochen, schnell eingetütet. Mein Papa hat sich riesig gefreut und die Vorfreude stieg ins Unermessliche. Neben dem Konzerttag haben wir ein paar Tage Sightseeing-Tour durch London gemacht und hatten bei 27-30° Grad  Sonnenschein perfektes Wetter.

Die Organistation

Das British Summer Time Festival besteht aus 6 Tagen an 2 Wochenenden, wo jeweils unterschiedliche Headliner mit weiteren Gästen gebucht werden. Man kauft Karten immer für einen Festivaltag. In diesem Jahr gab es unter anderem noch The Cure, Roger Waters oder Bruno Mars. Bei ausverkauften Konzerten strömen 70.000 Besucher auf das fest installierte Gelände, welches im Sommer auch für andere Aktivitäten genutzt wird. Es gibt diverse Bars, Food-Stände und natürlich allerhand Sponsoren-Stände. Neben der Hauptbühne Great Oak Stage gibt es noch eine kleinere Zweitbühne und zwei weitere Bühnen.

Alles ist wirklich liebevoll gestaltet und es gibt sogar feste Schlangen vor den Ständen. Die Toilettensituation war großartig und es gab in jedem Bereich etwa 20 Toilettenwagen, die ausreichend waren. Die Merchandise-Preise gingen mit 25 Pfund für das Festivalshirt schon in Ordnung. Das Bier war mit 6 Pfund für 400ml sehr teuer, dafür gab es Wasser und Cola für unglaublich faire 2 Pfund für eine 500ml Flasche! Was wir von der Organisation wahrgenommen haben war top. Die Leute waren alle super entspannt und wir hatten einen großartigen Tag.

Nach einem Rundgang auf dem Gelände haben wir uns eigentlich nur bei der Hauptbühne aufgehalten. Dafür haben wir vorher etwas tiefer in die Tasche gegriffen und Golden Circle Karten gekauft, für einen großzügigen Bereich vor der Hauptühne. Daneben hätte es noch weiter vor der Bühne Diamond Circle Karten gegeben oder weitere spezielle Tickets für Plätze auf der kleinen Tribüne. Ansonsten gab es noch die normalen Tickets, aber da das Gelände leicht abschüssig ist, hätte man als großgewachsener Mensch selbst von weit hinten auf die Bühne gucken können. Andere mussten mit den großen Leinwänden vorlieb nehmen.

Die Vorhut

Gary Clark Jr war der erste Act, den wir uns auf der Bühne angeschaut haben. Nicht zu unrecht wird er gerne mit Jimi Hendrix verglichen. Mit seinen 34 Jahren hat er schon mit Größen wie den Foo Fighters, Childish Gambino oder Alicia Keys zusammengearbeitet. Seine Mischung aus Blue, Rock, Soul und R&B brachte ihn zudem gemeinsam auf Bühnen mit den Rolling Stones, Eric Clapton oder B. B. King. Extrem druckvoller Sound, gute Stimmung und ein großes Talent. Seine "Come Together" Interpretation (im Original von The Beatles) sollte man gehört haben.

Auch wenn ich den Namen vorher nicht so zuordnen konnte, kannte ich erstaunlich viele Songs vom Mann an der Hammond-Orgel. Steve Winwood, der auch schon die 70 Jahre Marke geknackt hat, war stimmlich immer noch so unglaublich fit und begeisterte an der Orgel und Gitarre. Er erzählte dann auch, dass er vor knapp 50 Jahren das erste Mal im Hyde Park vor über 100.000 Zuschauern an der Seite von Clapton in der Band Blind Faith gespielt hat und den Geist von damals auch an dem Tag transportieren wollte. Das ist ihm erstaunlich gut gelungen und die positive Stimmung wurde noch euphorischer.

Carlos Santana und seine große Band ließ auch die letzten Sitzenbleiber aufspringen und freudig mittanzen. Bei seiner Mischung aus Latin Rock und Jazz ging dies aber auch nicht anders. Die Jüngeren unter euch, die ihn noch nie gehört haben, aber den Song “Wild Thoughts” von Dj Khaled feat. Rihanna & Bryson Tiller feiern, werden mindestens ein Riff von Santana kennen, da dies aus seinem Song “Maria Maria” stammt. Wie auch bei den beiden Musikern zuvor, gab es hier tolle Soli zu hören und man fühlte einfach, wie viel Spaß die Musiker noch immer auf der Bühne haben.

Eric "Slowhand" Clapton

Eric “Slowhand” Clapton, CBE. Einzige Person mit drei Einträgen in der Rock and Roll Hall of Fame. Laut dem Rolling Stone der zweitbeste Gitarrist (nach Jimi Hendrix) aller Zeiten. Mit Unplugged das bestverkaufteste Live-Album aller Zeiten. Zudem standen mit Doyle Bramhall (2. Gitarre), Nathan East (Bass) oder Paul Carrack (Orgel) weitere langjährige Weggefährten und ebenfalls großartige Musiker an seiner Seite. Schon von Sekunde eins an war klar, dass das hier ein ganz besonderes Konzert wird. Da steht ein Mann mit seiner Gitarre und seiner Band im Rücken und geht seiner Leidenschaft nach, ohne große Effekte oder Show. Nur sein reines Instrument, die Stimme, seine Finger und dieses unglaubliche Talent. Clapton ist verdammte 73 Jahre, leidet an einer Nervenstörung und Tinnitus und lässt sich trotzdem nicht von seinem Spaß abbringen.

Das 15 Songs starke Set dauerte gut 105 Minuten und war mit diversen Highlights gespickt. Viele Songs wurden mit minutenlangen Soli eindrucksvoll untermalt und Clapton und Bramhall (an der zweiten Gitarre) harmonierten in Perfektion. Die weiteren Instrumente wie Keyboard, Schlagzeug, Orgel, Bass und die zwei Background-Stimmen trugen zu einem tollen Klangerlebnis bei.

Eric Clapton, Carlos Santana, High Time We Went, Hyde Park, July 8 2018

Die Akustik-Session u. a. mit “Layla” und “Tears in Heaven” war sehr bewegend. Eine angespannte und faszinierende Stimmung war das, als Clapton seine Saiten zupfte und im Sitzen die Songs performte. Nach dem Akustik-Part stand dann Marcy Levy auf der Bühne. Eine Frau, die früher schon einmal Teil von Claptons Band war und zwei mit ihm geschriebene Songs performte. Für viele eingefleischte Fans eine tolle Überraschung. Neben weiteren Blues-Klassikern wie "Crossroads" gab es zum Abschluss des regulären Sets dann das großartige "Cocaine". Als Zugabe gab es noch “High Time We Went”, wo dann auch noch Santana einmal auf der Bühne stand und sich mit Clapton ein kleines Solo-Duell lieferte.

Der Tag neigte sich dem Ende entgegen. Sofern sich nochmal eine Gelegenheit ergeben sollte das Festival zu besuchen, würde ich es immer wieder machen. Die Organisation war großartig, das Flair des Geländes war super und die Leute waren alle unglaublich entspannt. Eric? “You were wonderful tonight”. Ich werde mir jetzt meine Gitarre schnappen und weiter an dem Song "Layla" üben.

Setlist: Eric Clapton im Hyde Park, London (08.07.2018)

  1. Somebody’s Knockin'
  2. Key To The Highway
  3. Hoochie Coochie Man
  4. Got To Get Better In A Little While
  5. Driftin‘
  6. Nobody Knows You When You’re Down And Out
  7. Layla
  8. Tears In Heaven
  9. Lay Down Sally – with Marcy Levy
  10. The Core – with Marcy Levy
  11. Wonderful Tonight
  12. Crossroads
  13. Little Queen Of Spades
  14. Cocaine
  15. High Time We Went – with Carlos Santana

Ich wäre Dir sehr dankbar, wenn Du den Artikel teilst oder kommentierst! <3

Veröffentlicht inFestivalberichteMusik

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