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Foto: Yannik Schumacher

Der absolute Wahnsinn: Die Foo Fighters vor 60.000 Besuchern live in Hamburg (10.06.2018)

Die motherfucking FOO FIGHTERS! Dave Grohl hat diesen Begriff am vergangenen Sonntag so inflationär benutzt, dass er mir jetzt dauernd in den Sinn kommt. Die Foo Fighters gaben vor rund 60.000 Besuchern ein festivalartiges Open-Air Konzert auf der Trabrennbahn Bahrenfeld in Hamburg. Im Vorverkauf musste man etwa 100€ für eine Karte hinblättern, aber das schreckte die treue Fangemeinde nicht ab. Das Wetter hat sich gut gehalten und ab 15 Uhr strömten die Massen auf das große Gelände und die riesige Party konnte steigen.

Das Drumherum

Die Trabrennbahn Bahrenfeld ist echt bescheiden gelegen. Zudem fahren an einem Sonntag die S-Bahnen eher unregelmäßig und der Busverkehr, um das Gelände herum, war weitestgehend eingestellt. Nach einem halbstündigen Fußmarsch von der S-Bahn zum Gelände waren wir auch endlich da. Der Einlass war super organisiert und wir haben sogar noch eines der beliebten Bändchen für die erste Welle bekommen, in der man in den hinteren Bereichen teilweise 2 Meter und mehr Platz um sich herum hatte. Da hat die Organisation sehr großzügig kalkuliert und es hätten sicher noch 1000 Leute mehr vorne reingepasst, wie man auch den Luftaufnahmen entnehmen kann.

FOO FIGHTERS in Hamburg

Die Verpflegungsstände waren zu einigen Zeiten eine einzige Katastrophe und man musste zur falschen Zeit mindestens 20 Minuten warten. Preise im Bereich von 4,50€ für eine Bratwurst oder 5,50€ plus 2€ Pfand für einen halben Liter Bier machten das Warten nicht gerade angenehmer.

Frauenpower als Support

Vor dem Auftritt von Dave Grohl und co. wurde die Frauenpower ausgepackt. Mit Wolf Alice und The Kills waren direkt zwei Supportbands mit Frontfrauen am Start, was man auch eher selten erlebt. Mir hat es gefallen, da ich Wolf Alice letztes Jahr sogar fast auf einem Solokonzert besucht hätte und ich The Kills auch gerne mal sehen wollte. Die Stimmung war leider verhalten und die Besucher waren eher damit beschäftigt, sich zu positionieren und ihren Bedürfnissen nachzugehen. Vereinzelnd wurde getanzt und fleißig mitgewippt. Alles schien sich auf das nachfolgende Konzert vorzubereiten.

Motherfucking Foo Fighters

Um 20 Uhr stürmten sie heraus. Frontmann Dave Grohl, gefolgt von den Gitarristen Pat Smear und Chris Shiflett, Bassist Nate Mendel und Schlagzeuger Taylor Hawkins, erkundete erstmal die Bühne und heizte die begeisterte Menge an. Wie immer kaute er genüsslich sein Kaugummi (wie macht der Mann das neben dem Singen noch?) und schredderte Riffs auf seiner Gitarre. Mit "Run", "All My Life", "Learn to Fly", "The Pretender" und "The Sky Is a Neighborhood" zeigte die Band direkt, wer hier Chef im Ring ist und warum sie wahrscheinlich zurecht, als eine der letzten großen Rockbands unserer Zeit gefeiert werden. Wo die Alben in den letzten Jahren eher nebensächlich waren, können sie live mächtig trumpfen.

Foo Fighters – Best of You (Trabrennbahn Bahrenfeld Hamburg, 10.06.18) HD

Wer bei einem Foo Fighters Konzert eine Show à la Muse erwartet, ist hier falsch. Es gab zwar auch einen netten LED-Screen, diverse Licht- und Lasertechnik und eine Hebebühne für die Drums, aber insgesamt ist einfach Dave Grohl die Show. Obwohl: Das Kamerateam muss man nochmal besonders hervorheben. Wir haben selten bei einem Konzert/Festival so einen super Schnitt und eine geile Kameraführung gesehen. Supergeil!

Das größte Einzelkonzert der Foo Fighters in Deutschland. Grohl selbst konnte es kaum glauben. Augenzwinkernd war er der Meinung, dass doch Coldplay oder U2 danach noch auftreten müssten. Sein Haar wehte im Wind, staunend betrachtete er den Sonnenuntergang und fühlte sich wie "fucking" Beyoncé, als er den langen Steg nach vorne Schritt und solo "My Hero" anstimmte, bevor die Band einsetzte. Natürlich durfte die Bandvorstellung nicht fehlen und jedes Bandmitglied spielte einen Song an, bevor Grohl sich ans Schlagzeug setzte und Hawkins das Mikrofon in die Hand nahm und "Under Pressure" von Queen gecovert wurde. Großartig!

Nach über 23 Jahren Band-Geschichte kann die Band auf ein großes Repertoire an Songs zugreifen und so gab es eigentlich alles zu hören, was das Fanherz höher schlagen lässt. Egal ob "Best of You", "Monkey Wrench" oder "Walk". Die Menge tanzte und feierte ausgelassen. Auch die Foo Fighters holten sich für ihre Songs weibliche Verstärkung, da auf dem neuen Album Concrete and Gold sehr viele Vocals zu hören sind. Drei Background-Sängerinnen unterstützten die Band zu den neuen Songs. War ganz nett, aber bei den neuen unbekannteren Songs ("Dirty Water", "Sunday Rain") war die Stimmung eher auf Vorband-Niveau. Sehr schön war dagegen "La Dee Da", welches mit Frontfrau Alison Mosshart von The Kills als Duett performt wurde.

Everlong – Foo Fighters live in Hamburg 10.06.2018

Nach 2,5 Stunden nahm das Konzert mit dem grandiosen "Everlong" sein Ende. Auf Feuerwerk wurde verzichtet, allerdings holte die Band nochmal alles aus ihren Instrumenten raus. Die Foo Fighters sind live einfach der absolute Wahnsinn und locken zurecht große Menschenmassen zu ihren Konzerten, die nach Hamburg sogar von Schweden oder Israel aus angereist sind. Sie hätten sicher noch Bock gehabt und noch eine halbe Stunde länger gespielt, aber aus Gründen des Lärmschutzes, war das wohl leider nicht möglich. Man war nach etlichen Stunden des Stehens sowieso komplett am Ende. Die Füße wund, die Beine schwer, die Stimme angekratzt. Was ein Abend.

Wein-Anekdote

Eine Anekdote noch zum Schluss: Grohl erwähnte beim Konzert ein Weinhaus namens Gröhl, welches er nahe seines Hotels ausgemacht hatte. Scherzhafte meinte er, dass er dort um 12 Uhr am nächsten Tag aufschlagen würde. Er würde alle Besucher gerne auf ein Glas Wein einladen und man solle zu erkennen geben, dass man ihn kennt und vielleicht bekommt man ja etwas zu trinken. Der Besitzer wusste quasi von nichts und so standen zum Mittag eine ganze Reihe an Konzertbesuchern beim Weinhaus Gröhl und wurden natürlich verköstigt. Nachdem sich der Trubel gelegt hatte, schaut Dave Grohl persönlich im Weinhaus vorbei und bedankte sich für die Aktion. Ehrenmann! Die ganze Story findet ihr bei Sat1 Regional.

Setlist: Foo Fighters, Trabrennbahn Bahrenfeld Hamburg, 10.06.2018

Falls ihr euch fragt: 21 Songs und trotzdem 150 Minuten Spielzeit? Ja, bei den Foo Fighters geht das. Aus 5 Minuten Songs können durch ergänzende Zwischenteile schnell mal 10 Minuten werden ("The Pretender"). Minutenlange Soli und lange Ansprachen ziehen es zusätzlich in die Länge. Das Drumsolo war mir bspw. schon viel zu lang und hätte getrost weggelassen werden können. Vor knapp 3 Jahren in der Halle wurden bei 160 Minuten Spielzeit 5 Songs mehr gespielt.

  1. Run
  2. All My Life
  3. Learn to Fly
  4. The Pretender
  5. The Sky Is a Neighborhood
  6. Rope
  7. Drum Solo
  8. Sunday Rain
  9. My Hero
  10. These Days
  11. Walk
  12. Another One Bites the Dust / Imagine / Jump / Blitzkrieg Bop
  13. Under Pressure (Queen cover) (Taylor on vocals)
  14. Monkey Wrench
  15. Wheels
  16. Breakout
  17. Dirty Water
  18. This Is a Call
  19. La Dee Da (with Alison Mosshart from The Kills)
  20. Best of You
  21. Everlong

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Veröffentlicht inKonzertberichteMusik

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