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Auf den Spuren der Mondlandung: Arctic Monkeys mit sechstem Album “Tranquility Base Hotel & Casino”

am 11.05.2018 über Domino Records veröffentlicht

Warum nicht auch einmal ein Wagnis eingehen? Es gibt ja bei so einigen Bands im Laufe ihrer Karriere Veröffentlichungen, die die Fangemeinde spalten und ich bin mir ziemlich sicher die Arctic Monkeys haben mit Tranquility Base Hotel & Casino genau so eines (wieder) veröffentlicht! Die Stimme von Frontmann Alex Turner bietet zwar weiterhin großen Wiedererkennungswert, die Instrumentierung und das Arrangement der Songs sprechen diesmal jedoch eine gänzlich andere Sprache. Den furiosen Indie-Rock und die mächtig klingenden Gitarren haben sie großflächig gegen Lounge-Pop und ein Keyboard getauscht. Dennoch kuschelt sich das Album auf seltsame, gar faszinierende Art und Weise an einen an. Die DNA der Monkeys ist auch auf dem neuen Album enthalten, offenbart sich aber erst, wenn man das Album nach zehnmaligem Hören durchdrungen hat. Wenn ihr dann also auch endlich auf Tranquility Base gelandet seid, kann es ja losgehen.

Die Band hat sich über die Jahre immer wieder neu erfunden, genau wie Alex Turner sein Aussehen immer radikal verändert hat. Das Debüt Whatever People Say I Am, That’s What I’m Not entfesselte noch einmal den Geist des Indie-Rocks der 2000er Jahre. Von da an ging es über weniger eingängige Songs auf Favourite Worst Nightmare über die “Queens Of The Stone Age Frontmann Josh Homme”-Infizierung auf Humbug bis hin zu Suck It and See It. Und natürlich gibt es noch das herausragende AM, welches die Band bis in den Olymp aufsteigen ließ.

Jetzt folgt also Tranquility Base Hotel & Casino. Der Name Tranquility Base geht auf den Landungspunkt der ersten bemannten Mondmission aus dem Jahr 1969 zurück, den Alex Turner nun als futuristischen Urlaubsort besingt. Die Band hielt sich sehr bedeckt mit Informationen und veröffentlichte vorab nur das Cover und einen kleinen Teaser, aus dem sich nicht viel rausfiltern ließ. Nach dem Anhören des Albums kann man auch erahnen warum: Es gibt quasi keine Single. Das Album funktioniert nur im Gesamtkontext. Songs enden abrupt oder fließen ineinander über. Richtige Refrains lassen sich kaum ausmachen. Man könnte fast meinen, wir sind auf einem Konzeptalbum gelandet, welches thematisch in einem alternativen Las Vegas auf dem Mond spielt. Das Science-Fiction Thema zieht sich durch das gesamte Album, welches die Zukunft als Spiegel der Gegenwart betrachtet. Die Band begleitet uns auf diesem Trip und Alex Turner croont sich durch seine Geschichten.

Schon mit “Star Treatment” wird man in eine edle Lounge der Sixties geschmissen, links spielen die Arctic Monkeys ihr Album, rechts nippt die feine Gesellschaft an einem Glas Champagner, spielt Poker und raucht eine Zigarre. Ein Opening, das euch die Tür zu der Soundwelt des Albums öffnet. Turners schmalziger Gesang setzt ein und entführt euch 40 Minuten lang in den Sternenhimmel. Vorbei die Zeiten des stadionfüllenden Sounds. Die Songs gehen alles viel gemütlicher an und wirken endschleunigent. “Four Out Of Five” dürfte mit seinem Groove noch am ehesten vertraute Gefühle erwecken.

Arctic Monkeys – Tranquility Base Hotel & Casino

Das Songwriting ist großes Kino, worin man sicher viel Zeit investieren kann, um alles auseinander zu pflücken. Die ersten Worte des Albums “I just wanted to be one of The Strokes / Now look at the mess you made me make” oder Zeilen wie “What do you mean you’ve never seen Blade Runner? lassen einen schmunzeln. Daneben findet ihr weitere Anspielungen auf Songs bekannter Künstler, Kommentare zur Politik und der technischen Entwicklung, welche im Science-Fiction Kontext kritisch betrachtet wird. Und warum erwähne ich eigentlich so oft Alex Turner? Der gute Mann hat die Songs zunächst alleine auf einem Piano konstruiert und ausgetüftelt, welches er zum Geburtstag bekommen hat, bevor die Band ihren Sound dahinter gesetzt hat. Man könnte also fast meinen, wir haben es hier mit einem Alex Turner Solo-Album zu tun.

Wem die ruhigeren Stücke auf AM gefallen haben, der könnte auch Zugang zu Tranquility Base Hotel & Casino finden. Verabschiedet euch von Bangern wie “R U Mine?” oder denen des Debüts und geht das Album ganz anders an. Ihr Debüt ist meilenweit von dem heutigen Sound entfernt und man könnte, ohne die Stimme von Alex Turner, fast glauben man hätte eine ganz neue Band vor sich. Die Arctic Monkeys wagen ein weiteres Experiment und ich bin gespannt, was Kritiker und Fans dazu zu sagen haben. Es hat etwas interessantes an sich, was einen festhält und gegen seinen Willen gespannt lauschen lässt. Ob es nun gut oder schlecht ist, mag ich nicht beurteilen. Dazu sollte sich jeder selbst einmal nach Tranquility Base begeben.

Tourdaten: Arctic Monkeys 2018

Um ihr neues Album auch gebührend vorzustellen, spielt die Band eine ganze Reihe an Konzerten. In Deutschland sind die bisherigen Promo-Konzerte ausverkauft. Ich bin mir aber fast sicher, dass 2019 eine Arena-Tour nachgelegt wird. Wo ich mir jedoch unsicher bin ist, ob und wie das Album live funktioniert.

  • 22.05.18 Berlin, Columbiahalle (AUSVERKAUFT)
  • 23.05.18 Berlin, Columbiahalle (AUSVERKAUFT)
  • 26.05.2018 Düsseldorf, Mitsubishi Electric Halle (AUSVERKAUFT)
  • 22.06.2018 Southside Festival
  • 24.06.2018 Hurricane Festival

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Veröffentlicht inMusikReviews

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