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Deichbrand Festival 2018: Headliner, Deutsch vs. Englisch, weiblicher Anteil im Line-Up

In meinem Beitrag zum Deichbrand Festival 2018, habe ich geschrieben, dass ich gerne noch ein paar Worte zu den Bands und zum Line-Up allgemein verlieren möchte. Gesagt, getan. Meine Meinung zu den Headlinern, das Gefälle zwischen deutsch- und englischsprachigen Bands und der Anteil weiblicher Musikerinnen beim Deichbrand Festival 2018.

Die Headliner

Mit Die Toten Hosen, The Killers und Casper hatte man diesmal drei hochkarätige Headliner für den Preis der Karte im Programm. Wir haben alle drei Headliner im ersten Wellenbrecher erlebt und hatten großen Spaß.

Die Toten Hosen hatten gefühlt noch mehr Bock als sonst und mir hat der Auftritt am Sonntagsabschluss sehr gut gefallen. Nach dem Hörsturz von Frontmann Campino und der damit erzwungenen Pause, ging er ab wie eine Rakete und das Publikum nahm das dankend an.

Casper mit verändertem Bühnenbild im Vergleich zu den Festivals im Vorjahr bzw. zur Tour war ebenfalls wieder sehr stark. Die Setlist war gut, auch wenn ich mir “Flackern, Flimmern.” als Abschluss gewünscht hätte. Schön war auch der Mittelteil, wo er von der Bühne verschwand und direkt hinter uns wieder auftauchte. Ein toller und intensiver Moment.

The Killers haben ebenfalls einen tadellosen Auftritt hingelegt. Frontmann Brandon Flowers hatte richtig Bock und hat das Lächeln gar nicht mehr aus dem Gesicht bekommen. Die Band hatte etwas mit dem eher lahmen Publikum zu kämpfen, das dann aber bei den großen Hits (z. B “Somebody Told Me”) vollkommen abdrehte. Sie schienen auch etwas irritiert, als sich das Publikum bei einem Song hinhockte, was wohl ein eher deutsches Phänomen ist. Dennoch: großartige Liveband!

Deutsch vs. Englisch

Beim Deichbrand Festival wird gerne eine Mischung aus allen möglichen Genres gebucht, damit ein möglichst breites Besucherfeld angesprochen wird. Trotzdem liegt der Fokus schon länger bei eher deutschsprachigen Acts, mit deutschen Texten. Alligatoah ist zwar ein besonderes Beispiel, allerdings hat man ein Festivalgelände um 12 Uhr mittags an einem Sonntag noch nie so voll gesehen. Zudem war der erste Wellenbrecher komplett bestuhlt und er lieferte eine tolle Akkordarbeit ab. Als Akustik-Konzert ein perfekter und lockerer Einstieg in den Tag. Auch Von Wegen Lisbeth zogen am Freitag um 15 Uhr eine große Menge Menschen aufs Festivalgelände, aber mit ihrem lässigen und tanzbaren Indie-Pop haben sie es auch einfach verdient.

Ich habe mir am Freitag auch die 257ers angetan und bei deren Shows fühlt man sich mittlerweile wie auf Malle beim Ballermann, mit Bierrutsche und eindimensionalen Songs. Aber die Besucher vollen genau das sehen. Ähnliches gilt für Mr.Hurley & Die Pulveraffen, die für das Warmup am Donnerstag aber schon ziemlich gut passten und gute Stimmung gemacht haben.

Richtig gut gefielen mir Milliarden mit ihrem deutschsprachigen Punk/Rock. Der Sound war zwar etwas übertrieben laut und schlecht abgemischt, dafür war die Stimmung umso besser. Nächstes Mal bitte auf der großen Bühne! Wen ich auch nochmal hervorheben möchte: Bosse. Einfach nur sympathisch, wie er die Massen bewegt und animiert. Jedes Mal wieder ein Genuss!

Bedeutend schwerer haben es beim Deichbrand Bands, die aus der englischsprachigen Nicht-Mainstream-Schiene stammen. Die Editors wirkten auf ihrem Slot leider etwas verschenkt und ich hätte sie gerne später bei Dunkelheit gesehen, wenn auch der mäßige Andrang einen solchen Slot nicht gerechtfertigt hätte. Schon der zweite Wellenbrecher war vielleicht nur halb gefüllt. Aber Tom Smith und Band ließen sich davon nicht aufhalten. Tolles Set, gute Band und “Papillon” ist einfach große Liebe. Zu Wolfmother war es zwar voll, aber ab 20 Uhr ist es auf dem Deichbrand im Infield eh immer voll. Mando Diao gefielen mir diesmal auch wieder nicht, auch wenn der Auftritt 2017 beim Hurricane richtig gut war. Ich habe sie jetzt zweimal beim Deichbrand gesehen und beide Male fand ich es eher mau.

Die Damen im Line Up

Ein letzter Punkt, der mir hier auf dem Blog auch sehr wichtig ist, sind Künstlerinnen und allgemein Bands mit weiblicher Beteiligung. Ich habe mal alle Bands aus dem Line-Up gestrichen, die kein weibliches Mitglied beinhalten. Es fallen also auch Bands raus, die zwar mit Frauen in ihrer Liveband auftreten (z. B. Die Toten Hosen), aber nicht Teil der eigentlichen Band sind. Bei Bosse kann man sich streiten, da er sich selbst Bosse nennt und auch seine Band Bosse heißt. Zudem fehlt Hayiti noch auf dem Plakat.

Erschreckend? Schon ziemlich, auch wenn es ein generelles Problem in der Musik- und Festivallandschaft ist. Dabei wurde Amy Macdonald am Freitagabend sehr gut angenommen. Die Fire Stage war gut gefüllt, der Auftritt war klasse, ihre Stimme kam verdammt gut rüber und die 60 Minuten vergingen wie im Flug. Sehr sympathisch und natürlich mit dem kleinen Vorteil der Radio-Hits. Am Sonntag habe ich mir zudem die Intergalactic Lovers angeschaut, zu denen es leider recht leer war im Zelt. Die Show war trotzdem sehr gut und ich bin froh, dass solche Bands weiterhin gebucht werden. Gurr teilten danach ein ähnliches Schicksal, auch wenn doch noch ein paar mehr Leute kamen. Auf jeden Fall ein kleines Highlight für mich und ich bin froh sie endlich mal live gesehen zu haben. Hört unbedingt mal rein!

Das Fazit

Wenn man weiß, wie das Deichbrand bucht, bekommt man für das Geld einiges geboten. Die Headliner fand ich diesmal wieder sehr stark, dafür fiel das Lineup im oberen Drittel etwas ab. Im Palastzelt hatte man zu den großen Bühnen eine nette Abwechslung und für die Freunde elektronischer Musik gab es auch in diesem Jahr wieder die Electric Island. Die stets hohen Zuschauerzahlen geben dem Festival in ihrer Buchungspolitik aber auch recht und im Vergleich zu den großen Festivals hält es sich finanziell auch noch im Rahmen. Sollte es so weitergehen, wird auch in den nächsten 10 Jahren das Festival an der Nordsee hohe Besucherzahlen vorweisen können.

Ich wäre Dir sehr dankbar, wenn Du den Artikel teilst oder kommentierst! <3

Veröffentlicht inFestivalsMusik

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