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Lollapalooza Berlin 2019: Menschen, Leben, Glitzer, Rave

Zum Abschluss der Open-Air-Festivalsaison haben wir uns entschieden, einmal zum Lollapalooza Festival nach Berlin zu fahren. Da für uns nur der Samstag vom Line-Up her interessant war, entschieden wir uns für ein 1-Tagesticket und das kleine Abenteuer konnte beginnen. Auf das Olympia-Gelände lockten u. a. Swedish House Mafia, Marteria & Casper, Scooter, Sigrid und Billie Eilish. Ein wirklich schöner Tag bei einem tollen Festival.

Ein erstes, kleines Jubiläum

Nachdem das Festival mit mehreren Standorten einzelne Probleme hatte, konnte es im fünften Jahr nun zum zweiten Mal im Olympiapark stattfinden. Auf dem Maifeld standen die zwei großen Hauptbühnen, im Olympiastadion gab es eine Party/DJ-Stage, neben dem Stadion noch eine Alternative Stage, plus weitere kleine Bühnen im Kidzapalooza oder Weingarten.

Die ÖPNV-Anbindung war fantastisch und auch der Einlass gestaltete sich unkompliziert. Das gesamte Festival ist Cashless und beim Check-in wird das Geld, welches man sich vorher auf sein Ticket geladen hat (allerdings nur per Kreditkarte), auf einen Chip am Armband transferiert. So muss kein Geld mehr gewechselt werden und bis auf technische Aussetzer, kann auch kaum etwas schief gehen. Von der Aufladung bis zum Bezahlen lief das alles extrem reibungslos. Sein Geld konnte man beim Merchandising oder den diversen Essens-Ständen und an den mehr als zahlreichen Getränke-Ständen wieder ausgeben. Zudem gab es ein Foodcourt, mit einer großen Anzahl an Foodtrucks, wo es schon mal zu kleineren Wartezeiten und etwas Gedrängel kommen konnte.

Das Influencer-Festival

Auch die Sanitäranlagen waren ziemlich sauber und gerade auf dem Maifeld war auch der Gang dorthin schnell erledigt. Von der Infrastruktur her waren wir sehr angetan. Der Wasserspender im grünen Kiez war dafür ein Witz und nicht einmal ausgeschildert und sehr versteckt. Insgesamt darf man in den nächsten Jahren gerne verstärkt Wasserstellen einrichten, aber vielleicht will man das auch gar nicht. Zudem sind einige Zugänge (auf die Ränge im Olympiastadion, Weingarten) etwas sehr schmal und ungünstig.

Ansonsten muss man damit klar kommen, dass sich in jeder noch so kleinsten Ecke irgendeine Marke präsentierte. Einige etwas größer, andere etwas versteckt. Andere mit Gewinnspielen, Aktionen oder eben Probierständen. Das war schon sehr extrem. Verbunden mit dem Line-Up war hier die Zielgruppe ganz klar irgendwo zwischen 16-24 Jahren und die "Smartphone-über-dem-Kopf"-Quote war bei einigen Konzerten sehr hoch. Dementsprechend viel Glitzer, Coachella-Mode und knappe Outfits begegneten einem auf dem Festival auch. Wir mit unserem Casper-Shirt und Deichbrand-Pullover fielen etwas raus. Irgendwann kam dann auch noch ein Mitarbeiter auf uns zu und meinte: "Ihr seht aus, wie zwei ganz normale Menschen. Was macht ihr hier?". Noch Fragen?

Musik ab

Nach dem entspannten Einlass sind wir langsam zu Tom Walker geschlendert und haben das Gelände erst einmal auf uns wirken lassen. Die junge Norwegerin Sigrid sorgte mit ihrer natürlichen und fröhlichen Art gleich für ein kleines Highlight. Ich kann euch allen nur ihr Debütalbum Sucker Punch empfehlen.

Sigrid – Sucker Punch (Live) | Vevo LIFT

Um in Ruhe essen zu können, haben wir uns danach ins Stadion auf die Ränge gesetzt und das Treiben von Hugel auf der Perry’s Stage verfolgt. Hier könnte man überlegen die Bühne etwas umzugestalten, da diese in dem riesigen Stadion (vor allem von weiter weg) doch etwas verloren wirkte. Mit Anlehnung an andere Bühnen bei Elektro-Festivals ließe sich da bestimmt etwas nettes draus zaubern. Zudem war der Sound zumindest auf hinteren Rängen etwas schwächer, vielleicht aber auch um Überschneidungen mit den Mainstages zu verhindern. Dennoch war das von den Rängen her extrem schön anzuschauen, wie tausende Menschen ihre Arme in die Luft streckten und zu den Songs feierten.

Anschließend wagten wir einen Gang über das Gelände und haben alles einmal erkundet. Vom grünen Kiez, über die Instagram Ecke und Fashionpalooza, dem Weingarten, bis hin zur Lolla Fun Fair. Da wurde einem auch abseits der Konzerte so einiges geboten, wenn man darauf Bock hatte und man hätte sich wohl auch den ganzen Tag dort aufhalten können.

Billie Eilish – all the good girls go to hell

Hype & Hyper

Nachdem Dendemann sein gutes Set beendet hatte, ging es zum Hype des Tages: Billie Eilish. Während 20.000 Leute schon auf dem Weg ins Stadion waren und 10.000 weitere sich das Gelände angeschaut haben, waren die restlichen 55.000 Besucher wohl beim Shootingstar der letzten Zeit. Dementsprechend voll wurde es vor der Bühne und wir sind anfangs dann schnell etwas nach hinten geflüchtet, da ziemlich viel gedrängelt wurde. Da war der Sound auch leider nicht mehr ganz so überragend, wie sonst fast überall. Der Anfang mit "bad guy", "my strange addiction" und "you should see me in a crown" hat uns auch noch ziemlich gut gefallen. Allerdings ging ihre Stimme oft unter und ich stelle mir ihre Show in einer Halle deutlich cooler vor. Der Funke wollte irgendwie nicht überspringen, obwohl ich mir die Musik zuhause (vor allem über Kopfhörer) noch sehr gerne anhöre. Ich hoffe auch, dass sie trotz des Hypes mal einen Gang runterschaltet. Zwei Schienen an den Knöcheln sprechen für sich. Wir sind dann nach der Hälfte des Sets gegangen.

Nach ärgerlicher Änderung der Running-Order spielten nämlich Scooter parallel im Stadion. Hier ging die Party richtig ab. Man kam aus dem Grinsen gar nicht mehr heraus. "How Much Is The Fish?", "Hyper, Hyper", "Maria (I Like It Loud)". Es fühlte sich etwas surreal an und man war direkt 10 Jahre jünger. H.P. Baxxter hatte die Massen im Griff und hüpfte wie ein junger Gott über die Bühne. Das hat riesigen Spaß gemacht und ich würde mir die Band so sogar noch einmal anschauen.

Scooter – One (Always Hardcore) (Live at The Stadium Techno Inferno 2011)

"We’re gonna save the world tonight"

Weiter ging es zu den Lieblingen Marteria & Casper. Hier zeigte sich auch der große Unterschied zu Billie Eilish. Während bei Billie die Leute in den hinteren Reihen bei den weniger bekannten Songs eher teilnahmslos waren und nicht einmal geklatscht haben, wurden bei Casteria die Songs abgefeiert, mitgeschrien und getanzt. Wieder einmal ein fantastischer Auftritt, ähnlich dem vor gut einem Monat in Hamburg auf der Trabrennbahn.

Zum Fast-Abschluss des Tages haben wir uns dann Twenty One Pilots von etwas weiter hinten angeschaut, bevor es für uns zu den drei Schweden Steve Angello, Axwell und Sebastian Ingrosso ging. Diese drei Herren bilden die Swedish House Mafia und sind nach ihrer Auflösung vor mittlerweile 6 Jahren endlich(!) zurück. Wenn ich mal so Revue passieren lasse, war das für mich der beste Festivalauftritt des kompletten Sommers. Die großen Hits waren dabei ("Dont' You Worry Child", "Save The World"), natürlich auch diejenigen, die an die ersten Clubbesuche ("One (Your Name)", "Miami 2 Ibiza") erinnerten. Eine schicke Lichtshow, fetzige Lasertechnik und zu jedem zweiten Drop Raketen und Pyrotechnik. Eine krasse Stimmung und einfach überragend. Da bekam man das Grinsen gar nicht mehr aus dem Gesicht.

Thumbs up!

Alles in allem hatten wir einen super schönen Tag. Für den Preis (84€) hat sich das Erlebnis mehr als gelohnt. Das Gelände war sehr schick, die Infrastruktur wurde gut genutzt, der Sound war für uns immer sehr optimal und eigentlich gibt es kaum Verbesserungswünsche. Dafür, dass das Festival erst zum zweiten Mal auf dem Gelände stattfand, wurde extrem viel richtig gemacht und ich kann nur hoffen, dass der Ort gehalten werden kann. Bei passendem Line-Up wäre das Lollapalooza Berlin definitiv wieder eine Alternative.

Ich wäre Dir sehr dankbar, wenn Du den Artikel teilst oder kommentierst! <3

Veröffentlicht inFestivalsMusik

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